Wir empfehlen im Juli:


 Frank Schwarz:Graham Swift „Ein Festtag“
Deutscher Taschenbuch Verlag - gebunden!, 2017, 142 Seiten
ISBN 978-3-423-28110-2, 18,- €

 

Die Geschichte wäre schnell erzählt, würde jedoch einiges an Erkenntnis und Lesegewinn vorwegnehmen. Nur so viel: an einem Tag des Jahres 1924 wandelt eine junge nackte Frau durch die Zimmer eines englischen Herrenhauses. Es ist ein zweiundzwanzigjähriges Dienstmädchen nach einem intimen Treffen mit dem Sohn der Nachbarn. Nun ist er auf dem Weg zu seiner Verlobten, es war das letzte Treffen dieses ungleichen Paares. Von einer unbestimmten Leichtigkeit erfüllt, weiss sie noch nicht, daß dieser Tag ihr Leben verändern wird.

Die hochbetagte Schriftstellerin, zu der dieses junge Dienstmädchen geworden ist, weiss um die Bedeutung dieses Tages und sie schaut mit Staunen zurück.

Graham Swift hat mit diesem Kurzroman ein Meisterwerk geschrieben. Eine ganz einfache Geschichte, aber auf vielen Ebenen erzählt und reflektiert. Wie man wird was man wird, in diesem Fall eine Schriftstellerin, wird hier auf sehr kunstvolle Weise erzählt und durchdacht. Auf kleinstem Raum eine ganz große Geschichte. Für alle Leser von Vladimir Nabokov und Ian McEwan, für alle Leser anspruchsvoller englischer Literatur.

 

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 Mirjam Alberti: Gioconda Belli „Mondhitze“
Droemer Knaur, Taschenbuch, 288 Seiten
ISBN 978-3-426-30466-2, 9,99 €

 

Die erstaunliche Autorin Gioconda Belli hat schon viele besondere und unterschiedliche Romane und Gedichte geschrieben, die mich immer wieder sehr bewegt haben. Mit ihren Schriften lotet sie gesellschaftliche Ungerechtigkeiten, revolutionäre Möglichkeiten und menschliche Nuancen aus. Besonders schön, dass sie die Weiblichkeit feiert und Frauen ermutigt, ihr Leben und ihren Körper anzunehmen und zu genießen, wie sie sind.
 
So auch in diesem erotischen Roman "Mondhitze“. Er handelt von den Geheimnissen, Erfahrungen und Abenteuern einer Frau um die Fünfzig. Emma ist eine attraktive Arztgattin aus Nicaragua, und sie hat etwas gegen die unschöne Rolle, die einer reiferen Frau von der Gesellschaft zugedacht wird. Da ihr Körper erste Zeichen des Alterns zu zeigen beginnt, packt sie die Panik. An einem besonders schwarzen Tag voller negativer Gedanken ändert ein zufälliges Ereignis ihre Situation jedoch komplett.

 

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Wir empfehlen im Juni:


 Frank Schwarz: Monika Geier „Alles so hell da vorn“
Argument Verlag 2017, Taschenbuch, 412 Seiten
ISBN 978-3-86754-223-4, 13,- €

 

Sie ist wieder da. Bettina Boll, alleinerziehende Teilzeitkommissarin aus Ludwigshafen, ermittelt in ihrem siebten Fall da, wo es besonders weh tut. Das ist zum einen die „Westpfalz“, zum anderen das Innere des Polizeiapparates. Worum geht’s diesmal?
In einem Frankfurter Vorstadtbordell erschießt eine junge Hure einen Polizisten und macht sich mit dessen Kanone auf, in der Westpfalz ein Blutbad anzurichten. Wenig später sitzt sie in der JVA Frankenthal und schweigt. Warum sie den Grundschuldirektor erschossen hat, ist nur eine Frage, die Bettina Boll brennend interessiert. Warum ihr erschossener Kollege in einem Bordell mit sehr jungen Frauen Stammkunde war, ist das andere Thema. Dieser Krimi blickt wie kein anderer aus der Bettina-Boll-Reihe in Abgründe. Ihr Chef liegt im Sterben, sie selbst ist in den Fall involviert, größer kann die Katastrophe nicht sein. Das BKA ermittelt im eigenen Haus, gegen Kollegen und vielleicht auch gegen Sie. Und liegt im Haus ihrer verstorbenen Tante in Grünstadt, das sie verkaufen möchte, wirklich eine Leiche im Keller?
Diesmal kommt es knüppelhart: Monika Geiers Romane waren selten so spannend, so wenig pfalztümelnd und so rabenschwarz wie dieser. Ganz nah an der Realität und mit einer sehr kompromisslosen Haltung auf der Seite der wahren Opfer.
Fazit: Spitzenkrimi, der bundesweit Beachtung verdient, ein ernstes Anliegen hat und den ich nur uneingeschränkt empfehlen kann.

 

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 Katharina Schütz: Antonia Neumayer „Selkie“
Heyne-Verlag, kartoniert, 2017, 512 Seiten
ISBN 978-3-453-31799-4, 12,99 €

 

Selkies sind schottische Fabelwesen, Robben, die sich in Menschen verwandeln können, wenn sie ihr Fell ablegen. Angeblich erwachen so die Seelen Ertrunkener wieder zum Leben.
Kate kennt diese Geschichten von ihrer Mutter, die sie ihr und ihrem Bruder Gabriel oft erzählt hat. Doch seit die Mutter vor Jahren verschwunden ist, denkt sie nicht mehr oft daran. Bis sie eines Tages mittendrin steckt, in einem großen und nassen Abenteuer.
Die alten Sagen scheinen real zu sein, Selkies, Meerjungfrauen und andere Gestalten aus den alten Geschichten existieren tatsächlich. Es gibt auf den schottischen Inseln aber auch eine alte Bruderschaft, die Saighdear, die die Inseln und ihre Bewohner vor den Fabelwesen beschützen wollen, auch gewaltsam. Als die Saighdear Kates Bruder einziehen, muss sie sich entscheiden und steht plötzlich zwischen den Fronten.Antonia Neumayer zieht einen in ihren Bann. Ich habe das Buch innerhalb weniger Tage geschafft und teilweise bis tief in die Nacht gelesen. Das schaffen bei mir momentan, neben Kindern und Arbeit, nur die wenigsten Bücher. Meine Empfehlung für alle Fantasy-Fans, die Lust auf eine spannende Geschichte haben, bei der ein bißchen Nervenkitzel, Romantik und einige Twists nicht fehlen dürfen.


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 Jeanette Jung: Benjamin Cors „Küstenstrich“
dtv Verlag, kartoniert, 2017, 382 Seiten
ISBN 978-3-423-21670-8, 9,95 €

 

Der  zweite Fall des Personenschützers Nicolas Guerlain!
Mit diesem Buch ist Benjamin Cors wieder eine Geschichte mit viel Spannung gelungen. Vor der trügerischen Idylle von Deauville geht es diesmal um nichts Geringeres als Kinderprostitution. Nicolas vermutet zu Recht das Schlimmste hinter den Fassaden der Schönen und Reichen in der Normandie. Dazu kommt noch die politische Komponente, denn die Räumung des Lagers von Flüchtlingen in Calais spielt ebenso eine Rolle wie die Flucht durch den Tunnel nach England. Entscheidend ist das was im Kopf geschieht, während man all diese Puzzleteile versucht zusammen zu setzen. Daher ist das alles vielleicht doch nichts für so ganz empfindliche Gemüter. Die vom letzten Buch bereits bekannte Nebenhandlung über das plötzliche Verschwinden von Nicolas langjähriger Lebensgefährtin durchzieht auch diesmal den Roman. Zumindest aber hier scheint sich nun ein Licht am Ende des Tunnels abzuzeichnen. Ich bin gespannt auf die Fortsetzung – man müsste halt einfach mehr Zeit zum Lesen haben, aber wem sage ich das 😃.

 

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 Mirjam Alberti: Stephanie Danler „Sweetbitter“
Aufbau Verlag, gebunden, 416 Seiten
ISBN 978-3-351-03672-0, 21,95 €

 

Stephanie Danler schildert den Mikrokosmos eines edlen New Yorker Restaurants in allen Facetten.
Tess kommt als junge Frau nach New York. Endlich ist sie der provinziellen Enge entflohen. Unglaublicherweise bekommt sie den Job als Hilfskellnerin im Restaurant ihrer Träume. Kopfüber taucht sie ab in diese ganze eigene Gemeinschaft. Täglich wird hier konkurriert um das exquisiteste Gourmetwissen, die exzessivste Feierabendparty,  den größte Sexappeal.
Die Autorin schafft es mit ihren Schilderungen die Sinne anzusprechen. Egal ob es der Geschmack einer Auster oder die Zerschlagenheit nach einer durchzechten Nacht ist, der Leser empfindet mit. Und erforscht gemeinsam mit Tess, welche Schattenseiten selbst die coolsten Stars dieses Mikrokosmos belasten.

 

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Wir empfehlen im Mai:


 Mirjam Alberti: Max Annas „Illegal“
Rowohlt Verlag, gebunden, 240 Seiten
ISBN 978-3-498-00101-8, 19,99 €

 

Kodjo lebt in Berlin - allerdings illegal. Dies wird besonders gefährlich, als er aus seinem provisorischen Versteck einen Mord im Haus gegenüber beobachtet. Vielleicht müsste er gar nicht eingreifen, wenn nicht zu allem Überfluss die Polizei ihn als Verdächtigen suchen würde. Und der Mörder auch seine Fährte aufnimmt. Eine rasante Verfolgungsjagd nimmt ihren Lauf.
Max Annas ist ein spannender Krimi gelungen, der immer mehr Tempo bekommt. Im letzten Viertel konnte ich das Buch kaum noch aus der Hand legen.
Sehr eindrücklich fand ich aber auch die einfühlsame Schilderung des Lebens als Illegaler. Da es nicht am anderen Ende der Welt, sondern in bekannten Gefilden in Berlin spielt und die Hauptperson schon lange in Deutschland lebt und arbeitet, rückt alles sehr nah. Max Annas hat mit diesem Roman ein ganz besonderes Buch vorgelegt.

 

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 Frank Schwarz: James Runcie „Der Schatten des Todes. Sidney Chambers ermittelt. “
Atlantik Verlag 2017, Taschenbuch, 416 Seiten
ISBN 978-3-455-00045-0, 12,- €

 

Guilty Pleasure? Also ein Vergnügen, dessen man sich eigentlich schämen müsste? Ja, genau darum geht es bei diesem Buchtipp. Dieses nette Büchlein, in dem der sympathische englische Pfarrer Sidney Chambers sechs Kriminalfälle löst, ist weder spannend noch besonders innovativ. Aber von den ersten Seiten der Rahmenhandlung an war ich gefangen, vom Ort, von der Zeit und vom Erzählton.

Sidney Chambers ist 1953 Pfarrer in der englischen Provinz, in Grantchester in der Nähe von Cambridge. Zusammen mit seinem Freund Inspektor Keating betreibt er die Aufklärung von Kriminalfällen, die oft eine besonders knifflige moralische Dimension haben. Häufig trifft er dabei auf die junge Kunsthistorikerin Amanda Kendall, die für erotische Spannung sorgt und zu seiner besten Freundin wird. Die Kriminalfälle sind wirklich nicht der Rede wert, aber: die fünfziger Jahre kehren hier zurück mit allerlei schönen Details, von der Mentalität bis zur Ausstattung. Chambers ist Jazz-Liebhaber (und ein Mord geschieht in einem Jazz-Club in Soho) und das ist für einen Landpfarrer schon sehr ungewöhnlich. Betreut von seiner bärbeißigen Haushälterin sucht er seine Rolle zwischen Seelsorger und liberalem Theologen.
In England sind aus dieser Buchserie schon sechs Bände erschienen, die den Lauf der Zeit bis in die sechziger Jahre nachverfolgen. Alles kalter Kaffee, mag mancher denken, aber ein Fest für anglophile Nostalgiker, die sich gerne intelligent verwöhnen lassen. Die von ITV produzierte Serie „Grantchester“ ist noch nicht in Deutschland im TV gelaufen, aber das zweite Buch mit Pfarrer Chambers in auch bei uns schon erschienen, das Vergnügen geht weiter. Und warum sollte man sich schämen, wenn es auch mal „cosy crime“ sein darf?

 

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 Jeanette Jung: Stephan Abarbanell „Morgenland“
Heyne Verlag, kartoniert, 2017, 456 Seiten
ISBN 978-3-453-41990-2, 9,99 €

 

Dieses Buch vereint viele Bereiche: Es gibt uns eine eindrucksvolle Geschichtsstunde, dazu liest es sich spannend wie ein Spionage-Thriller und obenauf als Sahnehäubchen sozusagen liegt eine zarte, kaum merkliche Liebesgeschichte. Der Rahmen, der diese Geschichte hält, besteht aus Tatsachen, das macht den Roman so eindrücklich, auch wenn die Protagonisten der Fantasie des Autors entsprungen sind. Doch man weiß: genau so, oder so ähnlich könnte sich alles zugetragen haben. Stephan Arbarbanell entführt uns ins Deutschland des Jahres 1946, der Krieg ist gerade erst zu Ende gegangen. Nicht nur die Gebäude liegen in Trümmern, auch viele Seelen sind „schwerstverletzt“. Die junge Widerstandskämpferin Lilya reist von Palästina in dieses Trümmer-Deutschland, um einen Wissenschaftler zu suchen. Elias glaubt nicht an die Nachricht vom Tod seines Bruders und hat deswegen die junge Frau auf die Suche geschickt. Doch schnell stellt sich heraus, wie gefährlich das Unterfangen ist, denn Lilya ist nicht die einzige, die Raphael Lind finden will…Ein sehr intensives Lese-Erlebnis. Im Anhang führen uns Original-Fotos aus der damaligen Zeit an die Orte, die Lilya aufgesucht hat. Eine tolle Ergänzung!

 

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Wir empfehlen im April:


 Mirjam Alberti: Martin Suter „Der Elefant“
Diogenes Verlag, gebunden, 352 Seiten
ISBN 978-3-257-06970-9, 24,- €

 

Er ist so groß wie ein Din A 4-Blatt. Seine Haut ist rosa und er leuchtet im Dunkeln. Und wenn er nicht respektvoll behandelt wird, dann verhält er sich ungewöhnlich. Denn er hat den Verhaltenskodex seiner tonnenschweren Verwandten geerbt. Ansonsten sind seine Gene Opfer eines Experiments und die verschiedensten Menschen sind hinter dem Genmaterial her.
Martin Suter erzählt spannend von der profitgierigen Jagd auf dieses besondere Lebewesen. Aber er erzählt auch von der Rührung und dem Elterninstinkt, den dieses besondere Wesen bei den Menschen auslöst, die ihn pflegen. Ob Obdachloser oder Elefantenflüsterer, der Elefant löst ungekannte Gefühle aus und eröffnet neue Wege.Spannend und hintergründig hat Martin Suter ein besonderes Buch geschrieben, in dem er nebenbei gekonnt die Gentechnologie kritisiert. Und dabei wie immer leichthändig unterhält.

 

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 Jeanette Jung: Ludwig Burgdörfer „Bohnerwachs und Streuselkuchen“ Biografisch-theologische Fundstücke aus meiner Kindheit
Verlagshaus Speyer, gebunden, 2017, 104 Seiten
ISBN 978-3-939512-88-2, 12,90 €

 

Das neue Buch von Ludwig Burgdörfer ist ein sehr persönliches geworden. In kleinen Geschichten breitet er seine Erinnerungen an Kindheit und Jugend auf dem Bauernhof in der Nordpfalz vor uns aus. Dabei ist der Blick zu Gott und der Glauben, der den Alltag stets in vielfältiger Form begleitet immer präsent. Wir werden Zeuge einer längst untergegangenen Zeit der Testbilder im Fernsehen, der Hosenverkäufer, die von Haus zu Haus ziehen, von dunklen schlecht beleuchteten Straßen, von Schiefertafeln und vom Geruch des Bohnerwachses. Nachdenklich machten mich vor allem die Geschichten über die Plackerei auf dem Bauernhof, das Arbeiten rund um die Uhr und das harte Urteil über einen etwaigen Müßiggang, den man sich auf gar keinen Fall erlauben konnte, denn „Das Leben ist ein Kampf“ so stand es im Poesiealbum und so wurde gelebt im Hause Burgdörfer. Vor diesem Hintergrund erscheint es mir wie ein Wunder, dass aus diesem streng erzogenen kleinen Jungen der offene Ludwig Burgdörfer geworden ist, den wir heute kennen dürfen. Reisen Sie mit ihm in eine Kindheit, die zwar schon lange vergangen ist, die aber Menschen meiner Generation noch kennen lernen durften.

 

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 Frank Schwarz: Luca D’Andrea „Der Tod so kalt“ Thriller
Deutsche Verlagsanstalt’2017, Klappenbroschur, 480 Seiten
ISBN 978-3-421-04759-5, 14,99 €

 

Der amerikanische Dokumentarfilmer Jeremiah Salinger braucht eine Auszeit. Nachdem er bei einem Lawinenunglück in Südtirol um Haaresbreite überlebte, quälen ihn Schuldgefühle. Seiner Südtiroler Ehefrau und seiner Tochter verspricht er, die nächsten Monate seiner  psychische Heilung zu widmen. Zufällig erfährt er von einem monströsen Verbrechen, das vor 30 Jahren die kleine Welt des Bergdorfes erschütterte:  drei  junge Menschen wurden in einer stürmischen Nacht in der berühmten Bletterbachschlucht regelrecht massakriert, die Tat wurde nie aufgeklärt.
Der erfahrene Journalist Salinger beginnt, diesem Thema nachzugehen und wühlt erwartungsgemäß viel Schmutz im kleinen Dorf auf. Aber er hätte nie vermutet, wie sehr dieses Interesse an dem  alten Fall zu einer Gefahr für ihn und seine Familie wird.Ein eiskalter, sehr spannender Thriller aus der Bergwelt der Dolomiten. Absolut authentisch im Schauplatz und stimmig in der immer spannender werdenden Handlung. So habe ich eine Recherche im Dunkel der Vergangenheit noch nicht gelesen. Großartiges Finale mit allen Registern der Thriller-Kunst. Große Empfehlung!!

 

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Wir empfehlen im März:


 Mirjam Alberti: David Foenkinos „Das geheime Leben des Monsieur Pick“
DVA-Verlag, gebunden, 2017, 336 Seiten
ISBN 978-3-4210-4760-1, 19,99 €

 

 Ein kleiner Ort in der Bretagne bekommt ungewöhnliche Aufmerksamkeit als ein neuer Roman zum Bestseller wird. Der Roman bewegt die Herzen, aber für noch viel mehr Furore sorgt die Geschichte des Manuskriptes. Geschrieben von dem einfachen Pizzabäcker Henry Pick wird es erst einige Jahre nach seinem Tod entdeckt. Selbst sein direktes Umfeld kann kaum glauben, dass er es geschrieben haben soll.

 

David Foenkinos hat einen beschwingten Roman geschrieben, der den Literaturbetrieb gekonnt auf die Schippe nimmt. Dabei setzt er etliche Personen für einen Moment ins Scheinwerferlicht und lässt sie lieben, hoffen, enttäuscht sein und auf ganz eigene Art das Leben meistern.

 

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 Katharina Schütz: A. Lee Martinez „Diner des Grauens“
Piper-Verlag, kartoniert, 2017, 352 Seiten
ISBN 978-3-492-28109-6, 9,99 €

 

Earl und Duke sind ein ungewöhnliches Gespann – ein Vampir mit angehender Platte und ein fetter Werwolf – unterwegs in einem klapprigen Truck. Die beiden geraten auf ihrem Roadtrip an das „Diner des Grauens“. Eigentlich sollte es nur ein kurzer Halt werden, doch als sie Zeugen eines Zombieangriffes werden, sind sie schon mittendrin im bevorstehenden Ende der Welt. Ganz ungewöhnlich ist es für sie nicht, sich mit dem Übernatürlichen auseinandersetzen zu müssen, aber nervig ist es allemal. Und so startet eine skurrile und witzige Geschichte.

 

Witzig ist ja manchmal schwierig, zu oft rutscht der Humor ins Platte ab und macht gar keinen Spaß mehr. Aber Martinez schafft es, den richtigen Ton zu treffen und hat so einen komischen, flotten, aber auch spannenden Fantasyroman geschrieben, den ich gerne weiterempfehle. 


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 Frank Schwarz: Julian Barnes „Der Lärm der Zeit“
Kiepenheuer&Witsch,2017, gebunden, 245 Seiten
ISBN 978-3-462-04888-9, 20,- €

 

Julian Barnes ist ein eindringlicher Roman über das Leben des Künstlers in einer Diktatur gelungen.

 

Dmitri Dmitrijewitsch Schostakowitsch ist der berühmteste russische Komponist des 20. Jahrhunderts. Dieser Roman erzählt von seinen Todesängsten, seelischen Nöten und Gewissensqualen im Umgang mit der Macht. Drei Stationen seines Lebenswegs werden beleuchtet: die Situation nach dem Verbot seiner Oper „Lady Macbeth von Mzensk“, als er nächtelang im Treppenhaus darauf wartet, abgeholt zu werden. Seine Amerika-Reise, die voller Demütigungen endet. Und sein Eintritt in die Partei, dem er immer entgehen wollte.

 
Man muss die Musik von Schostakowitsch nicht mögen, ja noch nicht einmal kennen, um diesen Roman mit Gewinn zu lesen. Julian Barnes macht viele Facetten von „Feigheit“ und „Heldentum“ begreiflich. Nicht nur im Stalinismus und später unter Chruschtschow waren die Künstler gefordert, Stellung zu beziehen, persönlich und in ihrer Arbeit. Es hat sich bis heute nicht geändert.

 

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 Jeanette Jung: Titus Müller, Christa Roth „Geigen der Hoffnung“ - Damit ihr Lied nie verklingt
Adeo Verlag, gebunden, 2016, 209 Seiten
ISBN 978-3-86334-117-6, 17,99 €

 

In diesem Buch vermischen sich Fiktion und Realität. Titus Müller führt uns in seiner Erzählung direkt ins KZ Dachau, wo Marek und Stani ums Überleben kämpfen. Schonungslos werden wir zu Beobachtern der unmenschlichen Ausbeutungs- und Tötungsmaschinerie der Nationalsozialisten. Marek versucht trotz der für uns heute unvorstellbaren Grausamkeiten seine Menschenwürde zu bewahren. Eine Geige, die er in der Lagerkapelle spielen darf hilft ihm dabei. Er will sich nicht aufgeben, er hofft auf das Kriegsende, er will leben!

 

Titus Müller hat viele Fakten gesammelt und so ist ihm sein literarischer Text sehr nahe an einer möglichen Realität gelungen, was die Lektüre sehr ergreifend macht.

 

Trotzdem beinhaltet dieses Buch auch Hoffnung und zwar die „Geigen der Hoffnung“. Die Geschichte von Amnon Weinstein, Kind zweier jüdischer Holocaust-Überlebenden, heute schon ein alter Mann, lebt in Israel. Schon sein Vater sammelte Geigen, die er von Menschen erhielt, die die Vernichtungsmaschinerie der Nazis überlebt hatten. Geigen, die eine Geschichte zu erzählen hatten. Amnon führt das Werk seines Vaters fort. Er hat die Geigen restauriert und dafür gesorgt, dass sie wieder gespielt werden. Wenn die Geigen wieder erklingen, so ist überzeugt, ist das der Beweis dafür, dass die Nazis gescheitert sind. In den großen Konzerthäusern der Welt gab es seit 2015 viele Aufführungen mit diesen Instrumenten. Davon und vom Alltag des Geigenbauers erzählt Christa Roth in Einschüben, die zwischen die Kapitel der Erzählung gesetzt sind. Am Ende des Buches finden sich zudem Fotos von zwei Konzerten, eines in Deutschland und eines in USA und Bilder von Amnon Weinstein in seiner Werkstatt. Eine sehr berührende und eindrückliche Lektüre – unbedingt lesen!

 

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Wir empfehlen im Februar:


 Frank Schwarz: Guido Dieckmann „Das Geheimnis des Poeten“ Ein historischer Weimar-Krimi
Aufbau Verlag,2017, Taschenbuch, 413 Seiten
ISBN 978-3-7466-3235-3, 12,99 €

 

Wer wie ich in den sechziger Jahren aufwuchs und im zarten Kindesalter schon fernsehen durfte, dem klingt der Name noch in den Ohren: „Rinaldo Rinaldini“. Der italienische Räuberhauptmann sorgte in der gleichnamigen Fernsehserie für Aufregung bei Jung und Alt.  Die literarische Vorlage war im ausgehenden 18. Jahrhundert ein „Bestseller“, sein Autor Christian Vulpius ein bekannter Mann.

 
Guido Dieckmann macht in seinem neuen historischen Roman „Das Geheimnis des Poeten“ diesen Christian Vulpius zum Ermittler in einem Kriminalfall. Eine gute Wahl, da dieser Autor zum „Schnüffler“ geworden ist, er sammelt ja selbst Anregungen für seine Werke, die „Räuberpistolen“.
Vulpius Schwester Christiane ist zudem mit Geheimrat Goethe liiert, was ihm zwar etwas Zutritt zur feinen Gesellschaft verschafft, aber nur in engen Grenzen, da sich Goethe nicht voll zu Christiane bekennt - ein leidiges Thema.

 
Das Buch hat alles, was ein schöner historischer Schmöker braucht: gestohlene Bücher, eine Leiche im Fluss, die geheimnisvolle schöne Frau, brutaler Mord. Der gewitzte Christian Vulpius hat mit vielen Schwierigkeiten bei seinen Ermittlungen zu kämpfen, denn: Gesellschaftliche Stellung ist alles!
Guido Dieckmann hat sich diesmal das goldene, klassische Zeitalter der deutschen Literatur als Epoche für seinen Roman ausgesucht. Goethe selbst ist in diesem Roman abwesend, mit unbekanntem Ziel auf Reisen. Vielleicht geht es ja  deswegen in Weimar drunter und drüber.

 

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 Jeanette Jung: Katja Berlin, Peter Grünlich „Was wir tun, wenn der Aufzug nicht kommt“
Die Welt in überwiegend lustigen Grafiken
Heyne Verlag, kartoniert, 2012, 233 Seiten
ISBN 978-3-453-60220-5, 9,99 €

 

Ich bekam dieses kleine Büchlein im letzten Jahr zu Weihnachten geschenkt. Bei uns im Laden habe ich es zwar schon oft wahrgenommen, aber nie reingeschaut. Ein Fehler wie sich schnell herausgestellt hat. Denn dieses Buch mit Grafiken über alles Mögliche und Unmögliche ist keinesfalls doof oder niveaulos, wie man schnell vermuten könnte, nein, es trifft unseren Alltag so genau, dass man sich entweder auf ganzer Linie ertappt fühlt oder sich köstlich amüsiert

 

 

Im Rahmen dieser Buchbesprechung ein Buch, das nur mit visuellen Eindrücken arbeitet, zu beschreiben ist natürlich eigentlich nicht möglich (ich versuche es mit zwei Beispielbildern). Das bedeutet aber in Wirklichkeit: Sie sollten bei Ihrem nächsten Besuch unserer Buchhandlung auf jeden Fall einfach mal reinschauen!!!
Die bunten Grafiken in diesem Buch stellen die Wahrnehmung und Einschätzung unserer Welt plastisch dar. Zum Beispiel: „Angetroffener Zustand der Kaffeemaschine“. Oder „Was man an Neil Armstrong bewundert“  - na, da muss man schon einen Moment länger nachdenken – stimmts? Ich wünsche Ihnen ebenso viel Spaß beim Durchblättern des Buches, wie ich ihn hatte!

 

 

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 Mirjam Alberti: J.L. Carr „Ein Monat auf dem Land“
DuMont-Verlag, gebunden, 2016, 144 Seiten
ISBN 978-3-8321-9835-0, 18,- €

 

Tom Birkin wird 1920 einen Monat im Sommer im nordenglischen Oxgodby verbringen. Als Restaurator hat er den Auftrag ein Fresko in der Dorfkirche freizulegen. Bescheiden schläft er auf seinem Mantel im Dachraum, zurückhaltend entstehen kleinste Begegnungen mit den neugierigen Dorfbewohnern.

 

J.L.Carr hat ein feinsinniges Buch geschrieben, das in aller Ruhe seine Wirkung entfaltet. Stück für Stück legt Tom Birkin das Fresko frei und genießt sein Handwerk und das Geheimnis, was er damit dieser unscheinbaren Kirche entlockt. Stück für Stück lernt er mit seinem Trauma, das ihm der erste Weltkrieg beschert hat, zu leben. Stück für Stück öffnen sich einige Bewohner diesem bescheidenem Mann.
Ein virtuoses kleines Buch über das Wirken der Zeit.

 

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 Sabine Brandenburger + Katharina Schütz: Antonia Michaelis „Das Institut der letzten Wünsche“
Knaur, Taschenbuch, 2017, 493 Seiten
ISBN 978-3-426-51574-7, 9,99 €

 

Da ich die Kinder-und Jugendbücher von Antonia Michaelis liebe und ihre „Sprachgewalt“ sehr schätze, war ich jetzt gleich neugierig auf ihren neuen Erwachsenenroman.
 
Mathilda (meistens in Begleitung von Hund Eddie) arbeitet mit Herzblut für eine Organisation, die sterbenden Menschen ihre letzten Wünsche erfüllt. Dafür braucht man viel Fantasie, Idealismus und muss viel Überzeugungsarbeit leisten, um das oft Unmögliche zu ermöglichen. Mathildas Kollegin Ingeborg  war vor Gründung des Instituts zwanzig Jahre  Oberärztin auf der Onkologie gewesen. Um die letzten Wünsche der Patienten hatte sich dort keiner gekümmert. Die erste Regel des Instituts: es betreut nur Klienten, die laut Diagnose vermutlich innerhalb der nächsten sechs Monate sterben werden.
 
Antonia fängt mit einem „Vorweg“ (nicht „Vorwort“) an: Mathilda versucht, ein Pferd (das eigentlich ein Pony ist) in die U-Bahn zu bekommen, was sich nicht sehr einfach gestaltet. Pferde sind da laut Verbotsschild nicht aufgelistet, also erlaubt. Pippi Langstrumpf läßt grüßen? Ein witziger Anfang. Frau Schmitz hat sich gewünscht, noch einmal auf einem Pferd durch den Frühling zu reiten mit einem weißen Spitzensonnenschirm. Mathilda hatte schließlich einen schwarzen Schirm mit einem Muster aus pinken Totenköpfen bei Bedarf für Gothik-Fans erstanden und ihn zwei Tage lang gebleicht. Und dann kommt Frau Schmitz‘ Auftritt: tata! In ihrer „Wunderbarkeit“ herrlich anzusehen im weißen Spitzenkleid, das ihr nicht mehr wirklich passt und inzwischen zu groß ist, aber ihre blauen Augen blitzen in ihrem runzeligen Gesicht vor Glück.  Ein Junge mit leuchtend blauem Haar fällt Mathilda immer wieder auf, ihre Wege kreuzen sich erneut. Teile ihrer eigenen Kindheit trägt sie als Aufnäher (aus ihren alten Kinderklamotten und Bettbezügen ausgeschnitten) auf ihren Kleidern mit sich. Sie wirft sich jeden Tag Paracetamol ein, weil sonst der Kopf platzt. Und dann lernt sie Birger kennen, der „gebraucht“ aussieht, als er als Klient ins Institut kommt und erliegt seinem chaotischen Charme . Sein letzter Wunsch ist es, seine Tochter zu finden und kennenzulernen. Welche Frau hatte Birger den Kopf verdreht? Was bedeutet das Symbol der Taube für diese Frau? Welche Rolle spielen Bücher von Tolstoi in dem Büchercafé?
 
Wie weit darf man mit Lügen in der Liebe gehen, wie viel Lüge kann der Mensch vertragen? Wann ist es eine unvermeidbare Notlüge? Siegt die Liebe über das Mißtrauen und den Tod?
 
Herrlich verwickelt, sprachverdreht und verrückt spielt die Autorin mit den Themen Krankheit, herannahendem Tod, Liebe bei Jung und Alt in allen Facetten des Lebens. Das betrifft uns irgendwann im Leben alle.

 

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