Wir empfehlen im November:


 Mirjam Alberti: Georg Watsky „Wie man es vermasselt“
Diogenes Verlag, gebunden, 333 Seiten
ISBN 978-3-257-07007-1, 22,- €

 

Georg Watsky ist Rapper, HipHopper und Poetry Slammer aus San Fransisco:


http://georgewatsky.com/

Seine Songs sind originell und tiefsinnig. Man braucht keine Sorge haben, plötzlich derbe sexistische Parolen mitzusingen. Zusammen mit den Videos wirft er auch politische und philosophische Fragen auf.In seinem Debütroman erzählt er kurze Geschichten aus seinem Leben  – witzig, cool und selten heldenreich. Eher geht es auch mal um das Scheitern. Zum Beispiel auf dem Baseballfeld, als Außenseiter in der Schule, als einsamer Alleinunterhalter, dessen Witze irgendwie nicht ihre Wirkung erzielen…

 

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 Frank Schwarz: Peter May „Der ewige Schlaf“ Kriminalroman
Bastei-Lübbe Taschenbuch, 2016. 478 Seiten
ISBN 978-3-404-17441-6, 10,90 €

 

Weit draußen vor dem kanadischen Festland liegt die „Entry Island“, bewohnt von etwa 100 Menschen, schwer erreichbar mit Flugzeug und Fähre. Ein Mordfall auf dieser entlegenen Insel stellt das Ermittlerteam der Polizei aus Montreal vor echte Herausforderungen. Detektive Sime Mackenzie fühlt sich unwohl – er ist in der Ermittlertruppe ein Außenseiter, der wegen seiner Englischkenntnisse mit im Boot sitzt. Die Bewohner von Entry Island sprechen im Gegensatz zu den Bewohnern der Provinz Quebec Englisch statt Französisch.  Vom ersten Moment an läuft etwas schief, denn ein unmögliches Gefühl sagt Mackenzie, daß er die Tatverdächtige kennt, und das kann nicht sein.
Der schottische Krimiautor Peter May erzählt eine spannende Geschichte aus dem rauhen Norden. Die Familiengeschichte des Ermittlers ist dabei eng mit der aktuellen Krimihandlung verknüpft. Aus den Erinnerungen an die Erzählungen seiner Großmutter folgen Erkenntnisse zur Aufdeckung der Tat.
Toller Krimi, der sich in den historischen Teilen wie ein Abenteuerroman von Stevenson liest. Für alle, die es kalt, nass und nordisch mögen (ich habe es trotzdem sehr gemocht).

 

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 Jeanette Jung: Gil Ribeiro „Lost in Fuseta“
Kiepenheuer & Witsch, Paperback, 2017, 400 Seiten
ISBN 978-3-462-04887-2, 14,99 €

 

Dieses Buch wäre einfach „nur“ ein gut gemachter Krimi, der in Portugal spielt, nach Art eines Tatorts, wenn da nicht die Hauptfigur Leander Lost wäre. Der Kommissar aus Hamburg nimmt an einem Austauschprogramm von Interpol teil und wird für ein Jahr nach Fuseta im Süden Portugals geschickt. Was seine neuen portugiesischen Kollegen zuerst nicht wissen: Lost ist ein Asperger. Menschen, die an dieser Form des Autismus leiden, haben Schwierigkeiten mit sozialer Kommunikation. Lost versteht beispielsweise keine Ironie und er kann nicht lügen. Bei den Ermittlungen in einem komplizierten Fall kann das natürlich äußert hinderlich sein und für jede Menge komische Situationen sorgen. Aber es gibt auch andere Seiten an diesem seltsamen Menschen: Leander Lost vergißt nichts und kann sich Dinge, die er gesehen hat, noch einmal vor dem inneren Auge hervorrufen und dann Details erkennen, die wichtig sein können. Mir ist dieser sympathische Außenseiter sofort ans Herz gewachsen! Neben der spannenden Krimihandlung mit ordentlich Algarve drin, habe ich dadurch beim Lesen sehr viel über Menschen mit Asperger-Syndrom gelernt.

 

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Wir empfehlen im Oktober:


 Jeanette Jung: Mariana Leky „Was man von hier aus sehen kann“
DuMont-Verlag, gebunden, 2017, 315 Seiten
ISBN 978-3-8321-9839-8, 20,- €

 

Mein Lieblingsbuch in diesem Herbst. Es enthält alles was ein Leben braucht. Es ist zum laut loslachen und gleichzeitig sehr anrührend und emotional. Nicht zuletzt hat es eine tolle Sprache und Erzählweise, die vor allem durch das Weglassen besticht.
Da gibt es Luise die Erzählerin, Martin ihr bester Freund, die alte Selma, die am besten nicht von Okapis träumt, weil dann jemand stirbt, den alten Optiker, der sich nicht traut Selma seine Liebe zu gestehen, der Vater, der von seinem Therapeuten dazu animiert wird, die Welt zu bereisen, die Mutter, die nie Zeit hat und immer zu spät kommt, der Eisdielenbesitzer, der der Mutter näher kommt und vor allem gibt es da Frederik, der Buddhist, der in Japan im Kloster lebt, obwohl er doch hier sein sollte an Luises Seite, und noch viele viele andere schrullige und liebenswerte Figuren, die dieses Dörfchen im Westerwald bevölkern.
Hinter den oberflächlich witzigen Lebenssituationen verbergen sich reichlich Dinge, die uns allen nicht fremd sind. Wenn wir ehrlich sind, leben Eigenschaften von jedem ein wenig auch in uns. Und wie in unserem Leben gibt es auch in Luises Umfeld neben den komischen Situationen viel Trauriges, Geschehnisse, die man vielleicht sein Leben lang nicht überwindet. Marina Leky serviert uns schöne Unterhaltung in bester Manier, dabei aber nie platt, seicht oder kitschig!!!

 

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 Mirjam Alberti: Anne von Canal „Whiteout“
Mare Verlag, gebunden, 2017, 192 Seiten
ISBN 978-3-86648-247-0, 20,- €

 

Hanna leitet eine wichtige Antarktisexpedition. Die Ergebnisse ihres Teams sind relevant für die Klimaforschung. Doch Witterung und Technik halten das Team in Atem.
Dazu ist Hanna innerlich mehr als abgelenkt durch eine erschütternde Nachricht ihres Bruders. Sie ist gefangen in Bildern aus ihrer Kindheit und Gedanken an ihre Jugendfreundin Fido. Zusammen mit ihrem Bruder haben sie als Kinder in endlosen Variationen die Expedition von Scott und Amundsen nachgespielt. Doch die Freundschaft erlebte einen plötzlichen Bruch.

Anne von Canal ist mit Whiteout ein besonderer Roman gelungen. Sie hat ein spannendes Abenteuer in Schnee und Eis verwoben mit lebendigen Kindheitserinnerungen und tiefen Gefühlen.

 

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 Frank Schwarz: Xiaolu Guo „Kleines Wörterbuch für Liebende“ Roman
Penguin Verlag, 2017, Tascehnbuch, 368 Seiten
ISBN 978-3-328-10106-2, 10,- €

 

Eine junge chinesische Studentin wird von ihren Eltern für ein Jahr nach England geschickt. Sie soll dort Englisch lernen. Mutterseelenallein, verloren in der Großstadt London und ohne ausreichende Sprachkenntnisse beginnt sie ihren Weg. Am Ende dieses Jahres hat sie eine bedeutende Entwicklung zu einer reifen Persönlichkeit gemacht und ist ein anderer Mensch geworden. Doch auf dem Weg dorthin erlebt sie allerlei lustige und tragische Begebenheiten, Begegnungen mit anderen Menschen und vor allem eine bittersüße (also nicht-romantische) Liebesgeschichte mit einem bisexuellen eigenbrödlerischen Vegetarier, der etliche Jahre älter ist als sie.
Ganz besonderen Reiz zieht das Buch aus seiner Erzählweise. Die Chinesin Zhuang erzählt strikt aus ihrer Sicht. Und wenn ihre sprachlichen Mittel am Anfang des Buches noch nicht ausreichen, dann werden halt die Sätze verkürzt und die Worte passend gemacht. Das ist ein Effekt, der zuerst zum Schmunzeln und dann zur Nachdenken und auch zum Nachfühlen führt. Je mehr diese junge Frau von der fremden Sprache lernt, desto komplexer werden die Themen, die sie bewegen und desto wortreicher die Auseinandersetzungen und Versöhnungen mit ihrem seltsamen Lebensgefährten.
Dieses Buch ist ein Wagnis, lassen Sie sich darauf ein, sie werden sich wundern…

 

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Wir empfehlen im September:


 Mirjam Alberti: Valeria Parrella „Liebe wird überschätzt“
Hanser Verlag, gebunden, 2017, 144 Seiten
ISBN 978-3-446-25650-7, 18,- €

 

Valeria Parrella, „Liebe wird überschätzt“, Hanser Verlag, gebunden, 144 Seiten, ISBN 978978-3-446-25650-7, 18€
Die neue italienische Autorin Valeria Parrella hat bei Hanser den schönen Band mit Erzählungen „Liebe wird überschätzt“ veröffentlicht. Acht unterschiedlichste Erzählungen, die lebendig und nah Szenen aus unserer Lebenswelt zeichnen.
Oft haben Kurzgeschichtenbände ihren Reiz darin, dass in einem Band Variationen ähnlicher  Themen und Erzählperspektiven versammelt sind. In diesem Band überrascht die Autorin damit, dass jede Geschichte so anders ist. Sie schafft es eindrucksvoll sich in die unterschiedlichsten Persönlichkeiten und Lebenssituationen hinein zu versetzen.Tochter und ältere Mutter, eine Äbtissin im Kloster, ein lebenslang verurteilter Mensch…. Jede Geschichte hat ihre eigene Intensität und ihren eigenen überraschenden Gedanken.

 

 

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 Jeanette Jung: Emmanuelle Pirotte „Heute leben wir“
Fischer Verlag, gebunden, 2017, 287 Seiten
ISBN 978-3-10-397211-5, 20,- €

 

„Heute leben wir“ spielt im Kriegswinter 1944 in den Ardennen. Die beiden Hauptfiguren könnten verschiedener nicht sein: Renée eine 7jährige Jüdin, ohne Eltern, die von verschiedenen Menschen immer wieder vor den Deutschen versteckt wurde und nun doch einem deutschen SS-Mann (Matthias) in die Hände gerät. Der hat eigentlich mit seinem Leben abgeschlossen. Er erscheint eiskalt und abgeklärt. Bis er in die Augen von Renée blickt, gerade als er sie erschießen soll.
Und diese kleine Renée wird ihn nicht mehr loslassen, das ganze Buch hindurch nicht. Ich habe viel gelernt beim Lesen dieser Geschichte. So wusste ich nicht, dass es deutsche SS-Männer gab, die als Amerikaner getarnt in Frankreich unterwegs waren und mit dieser Verkleidung versuchten, die Macht der Franzosen von innen heraus aufzubrechen. Matthias ist so einer…
Die Geschichte ist sicherlich autobiografisch gefärbt, denn die Großeltern der Autorin haben ein jüdisches Kind vor den Nazis versteckt. Die Handlung ist – wie kann es in diesem Krieg anders sein – teilweise sehr brutal dargestellt, hat aber gleichzeitig viele berührende Stellen. Mich hat die Geschichte sehr beschäftigt, selbst die eigenartig distanzierte Art der Autorin zu erzählen, hat dem keinen Abbruch getan. Ich musste einfach wissen, wie es weitergeht. Das Buch wird in diesem Jahr verfilmt und ich denke, es hat auch das Zeug dazu, denn es gibt „Action“ (wodurch eine große Spannung entsteht), und trotzdem gibt es viele sehr emotionale Momente, die dem Ganzen die nötige Tiefe geben.
Einziger minimaler Punktabzug von meiner Seite: Ich kann nicht so recht glauben, dass eine 7jährige die Sätze spricht, die die Autorin ihr in den Mund legt. Dazu ist Renée meines Erachtens zu jung. Aber wer weiß, was die Erlebnisse, die sie offenbar hatte, mit so einem Kind machen?

 

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Wir empfehlen im August:


 Jeanette Jung: Pascale Hugues „Deutschland à la francaise“
Die Welt in überwiegend lustigen Grafiken
Rowohlt Verlag, gebunden, 2017, 208 Seiten
ISBN 978-3-498-03032-2, 19,95 €

 

Vielleicht kennen Sie die Autorin von ihrem Buch „Marthe und Mathilde“  in dem sie die Lebensgeschichte ihrer beiden Großmütter erzählt. Das neue Buch von Pascale Hugues ist weitaus leichter und sehr unterhaltsam zu lesen. Gerade recht für die Sommerzeit, die Urlaubszeit. Die kurzen Kapitel lassen es zu, das Buch auch in Stücken zu lesen. Die Autorin ist aufgewachsen in Frankreich, lebt aber schon lange in  Deutschland. So kennt sie beide Kulturen sehr gut und bemerkt die Eigenarten der beiden Nationen viel deutlicher, als uns das vielleicht auffallen würde. Diesen Unterschiedlichkeiten von Deutschen und Franzosen hat sie ihr neues Werk gewidmet. Und da gäbe es einiges zu berichten. Zum Beispiel der pompöse an einen König erinnernden Elysee-Palast, in dem Frankreichs Regierung „Hof hält“ und dazu im Vergleich der nüchterne Bau des Bundesrates, in dessen Kantine selbst die Bundeskanzlerin ihr Tablett selbst wegräumt und wo an Alkoholausschank nie zu denken wäre. Oder die Erinnerungen an Kindheitsurlaube am lauten und lebhaften Strand der Cote d’Azur mit getrennten Bereichen für faule Sonnenbadende auf Liegestühlen mit Bedienung und Häppchen und direkt nebenan die „Plage“ für das einfache „Fußvolk“ mit entsprechendem Lärm. Dazu im Vergleich Urlaubserinnerungen an den Strand von Langeoog: Fast ausschließlich deutsche Urlauber, die sich in ihren „Sandburgen“ rund um die Strandkörbe verschanzt haben und die bei Wind und Wetter mehrmals täglich Fitnessangebote wahrnehmen. Von Genus und Lebenslust klingt da nicht so viel an. Schön auch der Abschnitt über das „Schaffens-Chromosom“ der Deutschen. Man merkt der Autorin jedoch beim Lesen an, dass sie schon viel deutscher ist, als man vermuten könnte und als sie es selbst von sich gedacht hätte. Eine sehr kurzweilige Lektüre, die mir mitunter schallendes Gelächter beschert hat. Außerdem die Erkenntnis: Ich sollte mal wieder in Frankreich unter Franzosen Urlaub machen😃.

 

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 Frank Schwarz:Abir Mukherjee „Ein angesehener Mann“
Heyne Verlag, Taschenbuch, 2017, 512 Seiten
ISBN 978-3-453-42173-8, 9,99 €

 

Sieht aus wie ein Krimi, funktioniert auch wie ein Krimi und ist doch eigentlich ein großartiger Gesellschaftsroman. Sam Wyndham ist ein Scotland-Yard-Mann. Wir schreiben das Jahr 1919 und seine Welt ist gerade untergegangen. Der Einsatz an der Front des Ersten Weltkriegs und der Grippetod seiner jungen Frau haben ihn aus der Bahn geworfen, er hat in Europa nichts mehr zu hoffen. In Kalkutta hofft er auf einen Neuanfang. Der Mord an einem hochrangigen britischen Beamten wird sein erster Fall. Der britische Autor Abir Mukherjee nutzt diese Kulisse zu einer grandiosen Darstellung des britischen Kolonialregimes. Selbst Teil des Machtapparats, muss Wandham lernen, in dieser fremden Umgebung zurechtzukommen, deren Regeln ihm fremd sind.
Intrigante Kollegen machen ihm das Leben schwer, eine attraktive Beamtin verdreht im den Kopf und schnell findet er sich in heiklen und undurchschaubaren Lagen wieder. Der Alltagsrassismus im kolonialen Indien findet ebenso seinen Platz in diesem Roman wie die Profitgier der Machthaber. Wyndham findet Unterstützung beim indischen Kollegen Banerjee, der ihn in die fremde Welt einführt.
Ein sehr gelungener historischer Kriminalroman, der neben der Spannung in eine fremde Gesellschaft einführt. Faszinierend, ich freue mich auf einen zweiten Band!

 

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 Mirjam Alberti: Lena Gorelik „Mehr Schwarz als Lila“
Rowohlt Verlag, gebunden, 2016, 256 Seiten
ISBN 978-3-87134-175-5, 19,95 €

 

Lena Gorelik, „Mehr Schwarz als Lila“, Rowohlt Verlag, gebunden, 256 Seiten, ISBN 978-3-87134-175-5, 19,95 €
Alex besucht die Oberstufe, trägt nur schwarze Klamotten und liebt ihre Freunde Paul und Ratte. Doch seit dem es passiert ist, ist nichts mehr wie früher. Wenn man nur die Uhr zurückdrehen könnte, hätte Alex doch nicht so risikoreich gespielt…
Was es ist, wird lange nicht klar. Das macht das Buch spannend. Genauso spannend wie die geschilderten Beziehungsgeflechte, das Erwachsenenwerden, die Liebe und die Freundschaften.
Lena Gorelik ist eine wundervolle Erzählerin. Ihre direkte Art enthält so viel Tiefe. Ihre Persönlichkeiten sind außergewöhnlich und schräg und trotzdem haben sie Gefühle, die jeder kennt. Und den von ihr geschilderten Dramen des Alltags fehlen nie menschliche Nähe und Zuversicht.

 

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Wir empfehlen im Juli:


 Frank Schwarz:Graham Swift „Ein Festtag“
Deutscher Taschenbuch Verlag - gebunden!, 2017, 142 Seiten
ISBN 978-3-423-28110-2, 18,- €

 

Die Geschichte wäre schnell erzählt, würde jedoch einiges an Erkenntnis und Lesegewinn vorwegnehmen. Nur so viel: an einem Tag des Jahres 1924 wandelt eine junge nackte Frau durch die Zimmer eines englischen Herrenhauses. Es ist ein zweiundzwanzigjähriges Dienstmädchen nach einem intimen Treffen mit dem Sohn der Nachbarn. Nun ist er auf dem Weg zu seiner Verlobten, es war das letzte Treffen dieses ungleichen Paares. Von einer unbestimmten Leichtigkeit erfüllt, weiss sie noch nicht, daß dieser Tag ihr Leben verändern wird.

Die hochbetagte Schriftstellerin, zu der dieses junge Dienstmädchen geworden ist, weiss um die Bedeutung dieses Tages und sie schaut mit Staunen zurück.

Graham Swift hat mit diesem Kurzroman ein Meisterwerk geschrieben. Eine ganz einfache Geschichte, aber auf vielen Ebenen erzählt und reflektiert. Wie man wird was man wird, in diesem Fall eine Schriftstellerin, wird hier auf sehr kunstvolle Weise erzählt und durchdacht. Auf kleinstem Raum eine ganz große Geschichte. Für alle Leser von Vladimir Nabokov und Ian McEwan, für alle Leser anspruchsvoller englischer Literatur.

 

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 Mirjam Alberti: Gioconda Belli „Mondhitze“
Droemer Knaur, Taschenbuch, 288 Seiten
ISBN 978-3-426-30466-2, 9,99 €

 

Die erstaunliche Autorin Gioconda Belli hat schon viele besondere und unterschiedliche Romane und Gedichte geschrieben, die mich immer wieder sehr bewegt haben. Mit ihren Schriften lotet sie gesellschaftliche Ungerechtigkeiten, revolutionäre Möglichkeiten und menschliche Nuancen aus. Besonders schön, dass sie die Weiblichkeit feiert und Frauen ermutigt, ihr Leben und ihren Körper anzunehmen und zu genießen, wie sie sind.
 
So auch in diesem erotischen Roman "Mondhitze“. Er handelt von den Geheimnissen, Erfahrungen und Abenteuern einer Frau um die Fünfzig. Emma ist eine attraktive Arztgattin aus Nicaragua, und sie hat etwas gegen die unschöne Rolle, die einer reiferen Frau von der Gesellschaft zugedacht wird. Da ihr Körper erste Zeichen des Alterns zu zeigen beginnt, packt sie die Panik. An einem besonders schwarzen Tag voller negativer Gedanken ändert ein zufälliges Ereignis ihre Situation jedoch komplett.

 

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Wir empfehlen im Juni:


 Frank Schwarz: Monika Geier „Alles so hell da vorn“
Argument Verlag 2017, Taschenbuch, 412 Seiten
ISBN 978-3-86754-223-4, 13,- €

 

Sie ist wieder da. Bettina Boll, alleinerziehende Teilzeitkommissarin aus Ludwigshafen, ermittelt in ihrem siebten Fall da, wo es besonders weh tut. Das ist zum einen die „Westpfalz“, zum anderen das Innere des Polizeiapparates. Worum geht’s diesmal?
In einem Frankfurter Vorstadtbordell erschießt eine junge Hure einen Polizisten und macht sich mit dessen Kanone auf, in der Westpfalz ein Blutbad anzurichten. Wenig später sitzt sie in der JVA Frankenthal und schweigt. Warum sie den Grundschuldirektor erschossen hat, ist nur eine Frage, die Bettina Boll brennend interessiert. Warum ihr erschossener Kollege in einem Bordell mit sehr jungen Frauen Stammkunde war, ist das andere Thema. Dieser Krimi blickt wie kein anderer aus der Bettina-Boll-Reihe in Abgründe. Ihr Chef liegt im Sterben, sie selbst ist in den Fall involviert, größer kann die Katastrophe nicht sein. Das BKA ermittelt im eigenen Haus, gegen Kollegen und vielleicht auch gegen Sie. Und liegt im Haus ihrer verstorbenen Tante in Grünstadt, das sie verkaufen möchte, wirklich eine Leiche im Keller?
Diesmal kommt es knüppelhart: Monika Geiers Romane waren selten so spannend, so wenig pfalztümelnd und so rabenschwarz wie dieser. Ganz nah an der Realität und mit einer sehr kompromisslosen Haltung auf der Seite der wahren Opfer.
Fazit: Spitzenkrimi, der bundesweit Beachtung verdient, ein ernstes Anliegen hat und den ich nur uneingeschränkt empfehlen kann.

 

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 Katharina Schütz: Antonia Neumayer „Selkie“
Heyne-Verlag, kartoniert, 2017, 512 Seiten
ISBN 978-3-453-31799-4, 12,99 €

 

Selkies sind schottische Fabelwesen, Robben, die sich in Menschen verwandeln können, wenn sie ihr Fell ablegen. Angeblich erwachen so die Seelen Ertrunkener wieder zum Leben.
Kate kennt diese Geschichten von ihrer Mutter, die sie ihr und ihrem Bruder Gabriel oft erzählt hat. Doch seit die Mutter vor Jahren verschwunden ist, denkt sie nicht mehr oft daran. Bis sie eines Tages mittendrin steckt, in einem großen und nassen Abenteuer.
Die alten Sagen scheinen real zu sein, Selkies, Meerjungfrauen und andere Gestalten aus den alten Geschichten existieren tatsächlich. Es gibt auf den schottischen Inseln aber auch eine alte Bruderschaft, die Saighdear, die die Inseln und ihre Bewohner vor den Fabelwesen beschützen wollen, auch gewaltsam. Als die Saighdear Kates Bruder einziehen, muss sie sich entscheiden und steht plötzlich zwischen den Fronten.Antonia Neumayer zieht einen in ihren Bann. Ich habe das Buch innerhalb weniger Tage geschafft und teilweise bis tief in die Nacht gelesen. Das schaffen bei mir momentan, neben Kindern und Arbeit, nur die wenigsten Bücher. Meine Empfehlung für alle Fantasy-Fans, die Lust auf eine spannende Geschichte haben, bei der ein bißchen Nervenkitzel, Romantik und einige Twists nicht fehlen dürfen.


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 Jeanette Jung: Benjamin Cors „Küstenstrich“
dtv Verlag, kartoniert, 2017, 382 Seiten
ISBN 978-3-423-21670-8, 9,95 €

 

Der  zweite Fall des Personenschützers Nicolas Guerlain!
Mit diesem Buch ist Benjamin Cors wieder eine Geschichte mit viel Spannung gelungen. Vor der trügerischen Idylle von Deauville geht es diesmal um nichts Geringeres als Kinderprostitution. Nicolas vermutet zu Recht das Schlimmste hinter den Fassaden der Schönen und Reichen in der Normandie. Dazu kommt noch die politische Komponente, denn die Räumung des Lagers von Flüchtlingen in Calais spielt ebenso eine Rolle wie die Flucht durch den Tunnel nach England. Entscheidend ist das was im Kopf geschieht, während man all diese Puzzleteile versucht zusammen zu setzen. Daher ist das alles vielleicht doch nichts für so ganz empfindliche Gemüter. Die vom letzten Buch bereits bekannte Nebenhandlung über das plötzliche Verschwinden von Nicolas langjähriger Lebensgefährtin durchzieht auch diesmal den Roman. Zumindest aber hier scheint sich nun ein Licht am Ende des Tunnels abzuzeichnen. Ich bin gespannt auf die Fortsetzung – man müsste halt einfach mehr Zeit zum Lesen haben, aber wem sage ich das 😃.

 

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 Mirjam Alberti: Stephanie Danler „Sweetbitter“
Aufbau Verlag, gebunden, 416 Seiten
ISBN 978-3-351-03672-0, 21,95 €

 

Stephanie Danler schildert den Mikrokosmos eines edlen New Yorker Restaurants in allen Facetten.
Tess kommt als junge Frau nach New York. Endlich ist sie der provinziellen Enge entflohen. Unglaublicherweise bekommt sie den Job als Hilfskellnerin im Restaurant ihrer Träume. Kopfüber taucht sie ab in diese ganze eigene Gemeinschaft. Täglich wird hier konkurriert um das exquisiteste Gourmetwissen, die exzessivste Feierabendparty,  den größte Sexappeal.
Die Autorin schafft es mit ihren Schilderungen die Sinne anzusprechen. Egal ob es der Geschmack einer Auster oder die Zerschlagenheit nach einer durchzechten Nacht ist, der Leser empfindet mit. Und erforscht gemeinsam mit Tess, welche Schattenseiten selbst die coolsten Stars dieses Mikrokosmos belasten.

 

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