Wir empfehlen im April:


 Jeanette Jung: Sandra Konrad „Das beherrschte Geschlecht“ - Warum sie will was er will
Piper Verlag, gebunden, 2018, 383 Seiten
ISBN 978-3-492-05832-2, 24,- €

 

Weibliche Sexualität wurde und wird schon seit Jahrhunderten kontrolliert, diktiert und organisiert. Von Männern, von Müttern und von den Frauen selbst. Dass sich diese Auswirkungen bis heute fortsetzen und massiven Einfluss auf das Leben von Frauen haben, zeigt Sandra Konrad in ihrem neuen Buch auf.
Im ersten Kapitel beschäftigt sie sich mit der Geschichte der Beherrschung von weiblicher Sexualität und all ihren abstrusen Entartungen im Laufe der Jahrhunderte. Aber die Autorin hinterfragt auch die vermeintliche Freiheit der jungen Frauen von heute, die immer noch in gesellschaftlichen – männerdominierten – Erwartungshaltungen gefangen sind, ohne dies zu merken.
Das zweite Kapitel ist der Prostitution gewidmet  und öffnet die Augen für Macht und Gewalt, die in diesem Bereich unserer Gesellschaft von Männern an Frauen ausgeübt wird. Folgerichtig schließt sich als nächstes ein Kapitel über sexualisierte Gewalt an Frauen von der Hexenverbrennung bis zum Cybermobbing an. Schließlich hinterfragt die Autorin warum sexy sein heute so wichtig ist und das Lustvolle so sehr in den Hintergrund getreten ist.
Das letzte Kapitel über die sexuelle Freiheit ist mit einem Zitat von Erich Fried überschrieben, der es treffender nicht ausdrücken könnte: „Zu sagen: „Hier herrscht Freiheit“ ist immer ein Irrtum oder auch eine Lüge: Freiheit herrscht nicht“. Dieses Buch ist ein eindrucksvolles Plädoyer für die lustvolle Sexualität von Frauen, gleichzeitig aber auch unglaublich bedrückend in allen Wahrheiten aus unserem Alltag und unserer Geschichte, die es enthält. Sandra Konrad gelingt dabei der Spagat, neben der Wissensvermittlung auch noch unterhaltsam zu schreiben. Ein tolles Buch und eine wichtige Lektüre, nicht nur für Frauen.

 

Möchten Sie mehr über das Buch erfahren oder es bestellen? Dann klicken Sie hier...
 Frank Schwarz:  Jens van Rooij „Hiergeblieben!“ 40 fantastische Reiseziele in Deutschland
Gräfe und Unzer Verlag, Taschenbuch, 2018, 176 Seiten
ISBN 978-3-8342-2848-2, 19,99 €

 

Reisetipps für die heimischen Regionen gibt es einige, aber dieser Bildband schießt den Vogel ab: zu jeder einheimischen Destination wird ein exotischer Doppelgänger geboten, mit Entfernungsangabe und kleinen Vergleichsfotos.Und plötzlich kann man sich die Island-Reise sparen, wenn es um einen Geysir geht: der in Andernach ist auch spektakulär. Auch in Bamberg kann man Gondel fahren, in Goslar steht eine hölzerne Stabkirche (siehe Norwegen) und das Jagdhaus Ludwigs II. auf dem Schachen erinnert an eine Palastausstattung in Istanbul. Im oberpfälzischen Wiesent gibt es einen Nepal-Himalaya-Park mit buddhistischer Tempelanlage, sehr exotisch. Eine schöne Idee, denn warum in die Ferne schweifen…? Ein ideales Geschenk für Reiselustige, die den Geldbeutel schonen möchten, aber trotzdem Anregungen für besondere Fahrten suchen. Dass man sich die Mandelblüte auf Mallorca sparen kann, wenn man Gimmeldingen besucht, wissen die Pfälzer schließlich schon lange!
Dem Buch ist ein kleines Heft mit typisch deutschen Rezepten beigegeben, auch die haben schließlich internationale Doppelgänger. Selbst die Maultaschen!


Möchten Sie mehr über das Buch erfahren oder es bestellen? Dann klicken Sie hier...
 Mirjam Alberti: Paolo Cognetti „Acht Berge“
DVA, gebunden, 2018, 256 Seiten
ISBN 978-3-421-04778-6, 20,- €

 

Pietro lebt in Mailand und macht jeden Sommer mit seinen Eltern in den Alpen Urlaub. Dort lernt er Bruno kennen. Eine lebenslange Freundschaft entsteht, auch wenn die Männer nicht unterschiedlicher sein könnten.  Pietro entflieht immer wieder der Stadt und sucht sein Glück in der Welt als Dokumentarfilmer. Bruno möchte die Berge niemals verlassen und sucht sein Auskommen in dieser menschenleeren Region. Paolo Cognetti erzählt gekonnt Episoden und Begegnungen dieser beiden vielschichtigen Menschen. Dabei schildert er die Alpen mit so viel Liebe, ohne im Geringsten kitschig zu sein, dass auch der Leser Sehnsucht nach den Bergen bekommt.

 

Möchten Sie mehr über das Buch erfahren oder es bestellen? Dann klicken Sie hier...

Wir empfehlen im März:


 Frank Schwarz:  Martin Calsow „Quercher und die Thomasnacht“ Kriminalroman
Grafit Verlag, Taschenbuch, 2013, 320 Seiten
ISBN 978-3-89425-423-0, 10,99 €

 

Nach den beiden „Atlas“- Romanen von Martin Calsow, die ich immer wieder Liebhabern des gepflegten deutschen Kriminalromans ans Herz lege, beginne ich jetzt die Krimibuchreihe um Max Quercher mit dem ersten Band.
 Oberbayern ist  schön und Gier und Niedertracht gibt es halt überall. Der Polizist Max Quercher denkt nur an seinen Abflug in den sonnigen Süden in die Frühpensionierung. Da kommt ihm die zufällig gefundene konservierte Leiche eines deutschen Wehrmachtssoldaten in die Quere. Was muss auch der dumme Schreiner den Baum fällen, der die Leiche deckte. Quercher soll dafür sorgen, dass die eigens aus Amerika angereiste Enkelin des Toten denselben über den großen Teich mitnimmt und damit die Sache aus der Welt schafft. Als der Schreiner kurz darauf in seine Kreissäge stürtzt, glaubt Quercher nicht an einen Unfall. Als er massiv bedroht wird, noch viel weniger. Dass er in der längsten Nacht des Jahres, der Thomasnacht, um sein Leben kämpfen wird, hatte er sich aber so nicht vorgestellt.Das Tegernsee-Idyll als Schlangengrube: Calsow schildert eine ganz und gar nicht gemütliche bayerische Welt und hebt sich ab von den üblichen Heimatkrimis. Hier geht es realistisch zu. Die Gegner sind schlau und brutal, die Kollegen verhalten sich undurchsichtig und Max Quercher hat mehr als einige Ecken und Kanten. Schönes Buch, ich freuen mich auf die ganze Reihe.

 

Möchten Sie mehr über das Buch erfahren oder es bestellen? Dann klicken Sie hier...
 Mirjam Alberti: Tim Marshall „Die Macht der Geographie“
dtv, Taschenbuch, 2017, 313 Seiten
ISBN 978-3-423-34917-8, 12,90€

 

So viele Krisenherde gibt es zurzeit auf der Welt und bei jedem Konflikt versucht man als kritischer Beobachter wirtschaftliche Interessen, Verbündete und Feinde herauszubekommen, um wenigstens ein bisschen besser zu verstehen. Da klingt schon der Untertitel   „Die Macht der Geographie - Wie sich Weltpolitik anhand von 10 Karten erklären lässt“ vielversprechend übersichtlich. Dieses Versprechen hält Tim Marshall.
Russland, China, USA … – in zehn Kapiteln entwirft der Autor ein Bild von dem jeweiligen Land, von seinen geographischen Gegebenheiten, von seinen wirtschaftlichen Schätzen und von seinen Handelswegen. Konsequent übernimmt er die Perspektive des jeweiligen Herrschers und seiner Geostrategen und schildert Schwachstellen und Stärken. Auch moderne wirtschaftliche und militärische Entwicklung und ihren Einfluss auf Geostrategische Entscheidungen finden ihren Platz in diesem Sachbuch. So entsteht ein globaler Zusammenhang und die tagesaktuellen Nachrichten stehen nicht mehr in einer endlosen Reihe nebeneinander.Mich bestärkt dieses Buch wieder in der Überzeugung, dass eine Internationale Friedensbewegung von unten die richtige Antwort auf die konkurrierenden Wirtschaftsinteressen ist. Doch dieses elfte Kapitel wollte Tim Marshall wohl nicht schreiben; doch seine zehn Kapitel sind trotzdem von unschätzbarem Wert.

 

Möchten Sie mehr über das Buch erfahren oder es bestellen? Dann klicken Sie hier...
 Jeanette Jung: DVD nach dem Buch von Nicole Krauss „Eine Geschichte der Liebe“
DVD, 2017, EuroVideoMedien, 135 Min.
EAN 4009750233139, 13,99€

 

Eine wunderbare Literaturverfilmung! Schon das Buch von Nicole Krauss hatte mich so sehr beeindruckt und der Film setzt alles perfekt um. Die Handlung spielt in verschiedenen Zeiten. Beim Buch ist das zum Lesen etwas anspruchsvoll, den Film bereichert das natürlich. Der polnische Jude Léo lebt als alter Mann in New York. Rückblende: Vor vielen Jahren, kurz vor Ausbruch des zweiten Weltkrieges hatte Léo für und über seine große Liebe Alma ein ganzes Buch geschrieben. Alma und Léo war jedoch kein gemeinsames Glück gegönnt, denn Alma musste mit ihrer Familie nach Amerika fliehen. Das Manuskript der Liebesgeschichte hatte Léo in den Kriegswirren seinem besten Freund anvertraut auf dem Weg nach Südamerika. Dort wurde es durch einen Wasserschaden zerstört.
Jetzt sitzt der arme alte schrullige Mann in New York und denkt immer noch an seine verflossene Liebe. Gleichzeitig fällt der 15jährigen Alma ein Manuskript in die Hände, denn ihre etwas chaotische Mutter ist Übersetzerin aus dem Lateinamerikanischen und hat einen neuen Auftrag an Land gezogen. Seltsam nur, dass Alma genau nach diesem Roman, der offensichtlich in Südamerika erschienen ist, benannt wurde. Der Roman, der doch verschollen sein soll… So sind Almas und Léos Schicksale verbunden.Ein Film mit köstlich jüdischem Humor. Almas kleiner Bruder ist zum Beispiel überzeugt, dass er einer der auserwählten Juden ist, auf dessen Schultern die Zukunft der Welt ruht… Aber natürlich auch mit vielen tragischen Elementen, die zu Tränen rühren, allerdings ohne jeglichen Kitsch. Gönnen Sie sich einen Abend mit viel Gefühl, Sie werden es nicht bereuen! Und zum Weiterlesen und vertieft genießen: Das Taschenbuch „Die Geschichte der Liebe“ (ISBN  978-3-499-23960-1) ist zum Preis von 9,99 Euro erhältlich.

Möchten Sie mehr über das Buch erfahren oder es bestellen? Dann klicken Sie hier...

 

Möchten Sie mehr über die DVD erfahren oder sie bestellen? Dann klicken Sie hier...

Wir empfehlen im Februar:


 Mirjam Alberti: Grégoire Hervier „Vintage“
Diogenes Verlag, gebunden, 390 Seiten
ISBN 978-3-257-07002-6, 24,- €

 

Sie brauchen ein cooles Geschenk für einen Musiker, womöglich einen Gitarristen? Dann landen Sie hiermit den absoluten Treffer.
Auf der Suche nach der seltenen, antiken Gibson Moderne reist Thomas Dupré quer über den Globus. Schnell wird die Reise zu einer wahnwitzigen Tour, die sich überaus kurios und gefährlich entwickelt. Auch Leser, die nicht gerne dicke Bücher lesen, wird diese spannende Handlung fesseln.Doch das Besondere an diesem Buch ist die Liebe zur Musik. Im Vorbeigehen erfährt der Leser allerhand über die Technikgeschichte der elektrischen Gitarre - und welcher Musiker mit welchem Sound Musikgeschichte geschrieben hat. Die Begeisterung, die Thomas schildert, wenn er eine besondere Gitarre in Händen hält und welchen Sound sie hat, ist einfach mitreißend.

 

Möchten Sie mehr über das Buch erfahren oder es bestellen? Dann klicken Sie hier...
 Frank Schwarz:  Hannah Rothschild „Die Launenhaftigkeit der Liebe“
Penguin Verlag, Taschenbuch, 2017, 509 Seiten
ISBN 978-3-328-10204-5, 12,- €

 

Junge unbedarfte Frau vom Land kauft im Trödelladen ein leicht kitschiges Gemälde, um es ihrer neuen Eroberung zu schenken. So beginnt ein rasanter und unterhaltsamer Roman über die Jagd nach einem verschwundenen Meisterwerk von Watteau. Das bunte Personal dieser Geschichte hat  das Meisterwerk immer wieder dicht vor der Nase und erkennt es nicht.
Annie wird Köchin im Kunsthandelshaus Winkleman und betritt die Welt der Londoner Superreichen, die sich als Sammelsurium verschrobener, durchgeknallter und durchaus auch eiskalter Egozentriker entpuppt. Sie weiss nicht, daß ausgerechnet ihr Fund aus dem Trödelladen eines, wenn  nicht sogar das wertvollste Bild der Welt sein kann. Und dann mischt sich das Bild auch noch ein und erzählt selbst von seiner Geschichte und seinen Gefühlen und ist nicht weniger arrogant und snobistisch als die Menschen, die es unbedingt besitzen wollen. Was die sympathische Annie auf dem Weg bis zur Authentifizierung und Versteigerung des Bildes erlebt, müssen Sie selbst lesen, es ist eine Achterbahn durch die Kunstszene. Die Autorin Hannah Rothschild ist eine intime Kennerin dieses Umfeldes und sie geht mit Hohn, Spott und Satire nicht gerade sparsam um. Umwerfend gut geschrieben und immer unterhaltsam, schöner Schmöker.

 

Möchten Sie mehr über das Buch erfahren oder es bestellen? Dann klicken Sie hier...
 Jeanette Jung: Yuval Noah Harari „Eine kurze Geschichte der Menschheit“
Pantheon Verlag, kartoniert, 2016, 526 Seiten
ISBN 978-3-570-55269-8, 14,99 €

 

Bereits „Die Zeit“ hat festgestellt, dass dieses Buch klug, präzise und vor allem so geschrieben ist, dass man es gar nicht mehr aus der Hand legen möchte. Diesem Urteil kann ich mich nur voll und ganz anschließen.
Vom Anfang des Homo Sapiens vor 70.000 Jahren bis zum Cyborg und der künstlichen Intelligenz der Zukunft spannt der Autor den Bogen. 526 Seiten prall gefüllt mit Wissen, dabei unglaublich kurzweilig geschrieben. Das findet man nicht so oft. Ich habe viel gelernt und über vieles nachgedacht während der Tage in denen ich das Buch gelesen habe. Zum Beispiel über die Spur der Verwüstung und Vernichtung, die der Homo Sapiens auf seiner Reise durch die Jahrhunderte überall hinterlassen hat. Aber auch über den Preis, den wir für Wachstum und Fortschritt zu zahlen bereit sind.
Harari stellt die nackten Informationen, die über die Geschichte der Menschheit vorliegen immer in den Kontext ethischer Gedanken. Das macht das Buch so wertvoll. Hier wird nicht nur einfach die Abfolge der menschlichen Geschichte erzählt, hier werden auf jeder Seite viele Fragen aufgeworfen. Fragen, die sich der Leser selbst beantworten muss.
Man spürt natürlich die Intention des Autors, aber nie mit platten Anspielungen oder massiven Fingerzeigen. Er hinterfragt verschiedene Gedanken, die man zu den einzelnen Entwicklungsschritten der Menschheit haben kann und bietet Deutungswege an. Damit lässt er – wie schreibt wiederum „Die Zeit“ so schön: „Gehirn wachsen“. Ich bilde mir ein, dass es funktioniert – probieren Sie es doch auch einmal aus!
Wie ich von einer Kundin gehört habe, ist das neue Buch des gleichen Autors mit dem Titel „Homo Deus“ in dem es um die Zukunft der Menschheit mit künstlicher Intelligenz, Smartwatches und Computern, die wissen, was wir wollen, bevor wir es selbst wissen ebenso lesenswert.

 

Möchten Sie mehr über das Buch erfahren oder es bestellen? Dann klicken Sie hier...

Wir empfehlen im Januar:


 Jeanette Jung: Laura McVeigh „Als die Träume in den Himmel stiegen“
Fischer Verlag, kartoniert, 2017, 350 Seiten
ISBN 978-3-596-29970-6, 14,99 €

 

Zunächst dachte ich: „Eine seltsame Geschichte ist das von einer geflüchteten afghanischen Familie, die in der Transsibirischen Eisenbahn offensichtlich schon ganz lange und ständig hin und her fährt...“ Doch nach und nach erzählt uns die junge Samar in Rückblenden das Leben dieser Menschen und irgendwann wird klar, wer da eigentlich in der Eisenbahn sitzt. Die Träume der kleinen Samar steigen in den Himmel, weil sie nur so die traumatischen Erlebnisse und schlimmen Erinnerungen verarbeiten kann. Und erst im Laufe des Romans stellt sich heraus, was Traum und was Wirklichkeit ist. Die Wirklichkeit in diesem geschundenen Land Afghanistan in Zeiten der Machtübernahme der Taliban ist auch für mich während der Lektüre fast nicht auszuhalten gewesen, obwohl es „nur ein Roman“ ist und ich nichts dergleichen je erlebt hätte. Wie muss es erst den Menschen in der Wirklichkeit gegangen sein und noch ergehen, die ein solches Schicksal sicherlich zu Tausenden erlitten haben?Keine leichte Lektüre – wegen des Leids das hier geschildert wird – aber eine unglaublich intensive durch die Rückblenden und die Vermischung von Realität und Träumen. Wenn Ihnen die Bücher von Khaled Hosseini gefallen haben, könnte auch dieses Buch eine passende Lektüre für sie sein, auch wenn es nicht  direkt vergleichbar ist. Schließlich erzählt die irische Autorin letztendlich als Fremde von erlebten Eindrücken in Afghanistan .

 

Möchten Sie mehr über das Buch erfahren oder es bestellen? Dann klicken Sie hier...
 Frank Schwarz:  Sabrina Janesch „Die goldene Stadt“
Rowohlt Verlag, gebunden, 528 Seiten
ISBN 978-3-87134-838-9, 22,95 €

 

Ein abenteuerbegeisterter Schlosser aus Deutschland sucht die legendäre Stadt El Dorado. Zuvor hat er alles gelesen, was ihm an Reiseberichten aus Peru in die Finger kam und Spanisch gelernt. In der Mitte des 19. Jahrhunderts geht der junge Rudolph August Berns nach Südamerika, einzig von dem Gedanken geleitet, dort sein Glück als Entdecker zu machen. Er lernt beim Militär einflussreiche Freunde kennen, arbeitet für die Vermessung der Eisenbahnstrecken, gründet mitten im Dschungel ein Sägewerk und findet vermutlich im Jahre 1876 die grandiose Ruinenstadt Machu Picchu, viele Jahre vor dem Amerikaner Hiram Bingham im Jahre 1911.
Eine tolle Geschichte, und sie ist wahr. Sabrina Janesch erzählt in diesem Roman nach eigenen Recherchen (und den vor Historikern) die Lebensgeschichte des Mannes, der sich Augusto Berns nannte und bis vor kurzem ein unbeschriebenes Blatt war.
Sie gestaltet diesen historischen Roman nach Tatsachen, erzählt dabei aber spannend und fesselnd von der Sehnsucht nach Ruhm und Reichtum und vom großen Betrug, der am Ende steht.
Schöne, spannende Lektüre, habe ich mit Gewinn gelesen.

 

Möchten Sie mehr über das Buch erfahren oder es bestellen? Dann klicken Sie hier...
 Mirjam Alberti: Orhan Pamuk „Die rothaarige Frau“
Hanser Verlag, gebunden, 288 Seiten
ISBN 978-3-446-25648-4, 22,- €

 

Cem darf einen Sommer lang bei einem traditionellen Brunnenbauer arbeiten. Erfahren und väterlich führt er den Jugendlichen in das gefährliche Handwerk ein. Doch dieser ist die meiste Zeit mit seinen aufgeregten Gedanken bei der schönen Frau, die im Wanderzirkus arbeitet.
Spannend und mitreißend erzählt Orhan Pamuk die Geschichte von Cem in seiner Jugend und seinem Werdegang als Immobilienhändler. Dabei lässt er den Leser eintauchen in die alte und neue Türkei, in Fragen von Schuld und Vergebung. Besonders liebevoll webt er den Respekt für das alte Handwerk und die faszinierende Ausstrahlung von historischen Sagen ein, ohne altertümlich in der Vergangenheit zu verharren.
Ich hatte noch nie etwas von Orhan Pamuk gelesen und bin froh nun einen Roman von diesem besonderen Schriftsteller kennengelernt zu haben. Seine Sprache beflügelt die Phantasie und seine Erzählkunst zieht den Leser in den Bann. Kein Wunder, dass er 2006 den Nobelpreis der Literatur bekommen hat.

 

Möchten Sie mehr über das Buch erfahren oder es bestellen? Dann klicken Sie hier...

Wir empfehlen im Dezember:


 Frank Schwarz:  „Valerian - Die Stadt der tausend Planeten“ Ein Film von Luc Besson
DVD, Mit Dane Dehaan, Cara Delevingne u.a. 133 Minuten. 2017
EAN 0889854217099, 14,99 €

 

Fünfzig Jahre nach dem Start der Comicserie „Valerian & Laureline“ in Frankreich brachte Luc Besson im Sommer diesen Film nach Motiven zweier „Valerian“-Alben ins Kino. Ein Wunder!
Wer wie ich in den Jahren des „Space-Age“ Kind war und das Apollo-Programm, Weltraumthemen und Star Trek, SF-Romane und Filme aufgesogen hat, wird mit diesem Film reich belohnt. Ein quietschbuntes, lebendiges, verblüffendes und soo unterhaltendes Kinoerlebnis. Unzählige SF-Filme haben in diesen Stories Ideen und Konzepte, vor allem Designs geklaut. Christin und Mézières, die Erfinder der Valerian-Comics haben ein Universum geschaffen, das Fans einfach glücklich macht. Und ich bin mit allem einverstanden, mit der Besetzung der Hauptrollen, mit dem Sound, mit dem Gastauftritten von Ethan Hawke und Rihanna, ich könnte stundenlang weiter einverstanden sein.
Wenn am Anfang David Bowie seinen „Major Tom“ ins All schickt, weist das auf den Beginn der Geschichte von 50 Jahren hin und wenn am Ende Valerian in einer alten Kapsel, „der Tin Can“, von der Bowie sang, durchs All segelt ( wie James Bond einmal in einem Schlauchboot trieb), ist der Film wieder am Ausgangspunkt aller Weltraumträume angelangt. Einfach perfekt.
Auf Youtube gibt’s den Trailer unter „Valerian Opening“ und den Trailer mit „Because“ zur Einstimmung. Macht glücklich.

 

Möchten Sie mehr über das Buch erfahren oder es bestellen? Dann klicken Sie hier...
 Mirjam Alberti: Juli Zeh „Leere Herzen“
Luchterhand Verlag, gebunden, 352 Seiten
ISBN 978-3-630-87523-1, 20,- €

 

Es ist das Jahr 2020, die Bewegten Bürger haben Angela Merkel abgelöst und bauen entschlossen ein demokratisches Grundrecht nach dem anderen ab. Britta hat sich in dieser Welt eingerichtet, ihre erfolgreiche Firma macht skrupellose Geschäfte mit dem resignierten Grundgefühl in der Gesellschaft. Ihre Freundin sucht das Glück im Privaten und träumt vom Familienidyll im Bauernhaus. Doch bald überschlagen sich die Ereignisse und Brittas Leben wird zum Politthriller.
Schnell wird der Roman sehr, sehr spannend und ich konnte ihn kaum noch aus der Hand legen. Juli Zeh versteht fabelhaft das erzählerische Handwerk, sie schafft es den Leser mitzureißen.Darüber hinaus hat sie in diesem besonderen Roman phantasievoll und bissig eine Zukunftsvision entworfen, die erschreckend nah an der heutigen Realität ist. Nicht nur im öffentlichen Leben streitet Juli Zeh offensiv für Demokratie und Engagement für Bürgerrechte, auch ihr Roman möchte leere Herzen zum Leben erwecken.

 

Möchten Sie mehr über das Buch erfahren oder es bestellen? Dann klicken Sie hier...
 Jeanette Jung: Martin Kaule „Außergewöhnliche Hotels“
Bassermann, Paperback, 2017, 160 Seiten mit vielen Farbfotos
ISBN 978-3-8094-3646-1, 14,99 €

 

Suchen Sie noch ein Buchgeschenk für Weihnachten? Oder möchten Sie vielleicht Ihren Schatz mit einem ganz besonderen Wochenende überraschen? Dann habe ich einen Vorschlag für Sie! Das Buch „Außergewöhnliche Hotels“ eignet sich direkt zum Verschenken oder Sie blättern selbst darin, um eine originelle Geschenkidee zu finden.
Martin Kaule präsentiert vorwiegend Hotels in Deutschland, ein paar auch in Österreich und in der Schweiz. Doch es sind keine gewöhnlichen Hotels, die hier porträtiert werden. Es handelt sich um außergewöhnliche Übernachtungsorte. Sei es im Iglu auf der Zugspitze, in einem Baumhaus, im Zirkuswagen, in einem Zelt hoch oben frei hängend zwischen Bäumen, auf der Alphütte, im Märchenpark, im Bauwagen, in einem Kunstwerk, im ehemaligen Gefängnis, in einem Eisenbahnwaggon oder ganz romantisch unter freiem Himmel in einem Schloßpark. Das sind nur einige der 150 besonderen Nächte, die Ihnen in diesem Buch vorgeschlagen werden. Schauen Sie einfach mal rein – es lohnt sich!

 

Möchten Sie mehr über das Buch erfahren oder es bestellen? Dann klicken Sie hier...

Wir empfehlen im November:


 Mirjam Alberti: Georg Watsky „Wie man es vermasselt“
Diogenes Verlag, gebunden, 333 Seiten
ISBN 978-3-257-07007-1, 22,- €

 

Georg Watsky ist Rapper, HipHopper und Poetry Slammer aus San Fransisco:


http://georgewatsky.com/

Seine Songs sind originell und tiefsinnig. Man braucht keine Sorge haben, plötzlich derbe sexistische Parolen mitzusingen. Zusammen mit den Videos wirft er auch politische und philosophische Fragen auf. In seinem Debütroman erzählt er kurze Geschichten aus seinem Leben  – witzig, cool und selten heldenreich. Eher geht es auch mal um das Scheitern. Zum Beispiel auf dem Baseballfeld, als Außenseiter in der Schule, als einsamer Alleinunterhalter, dessen Witze irgendwie nicht ihre Wirkung erzielen…

 

Möchten Sie mehr über das Buch erfahren oder es bestellen? Dann klicken Sie hier...
 Frank Schwarz: Peter May „Der ewige Schlaf“ Kriminalroman
Bastei-Lübbe Taschenbuch, 2016. 478 Seiten
ISBN 978-3-404-17441-6, 10,90 €

 

Weit draußen vor dem kanadischen Festland liegt die „Entry Island“, bewohnt von etwa 100 Menschen, schwer erreichbar mit Flugzeug und Fähre. Ein Mordfall auf dieser entlegenen Insel stellt das Ermittlerteam der Polizei aus Montreal vor echte Herausforderungen. Detektive Sime Mackenzie fühlt sich unwohl – er ist in der Ermittlertruppe ein Außenseiter, der wegen seiner Englischkenntnisse mit im Boot sitzt. Die Bewohner von Entry Island sprechen im Gegensatz zu den Bewohnern der Provinz Quebec Englisch statt Französisch.  Vom ersten Moment an läuft etwas schief, denn ein unmögliches Gefühl sagt Mackenzie, daß er die Tatverdächtige kennt, und das kann nicht sein.
Der schottische Krimiautor Peter May erzählt eine spannende Geschichte aus dem rauhen Norden. Die Familiengeschichte des Ermittlers ist dabei eng mit der aktuellen Krimihandlung verknüpft. Aus den Erinnerungen an die Erzählungen seiner Großmutter folgen Erkenntnisse zur Aufdeckung der Tat.
Toller Krimi, der sich in den historischen Teilen wie ein Abenteuerroman von Stevenson liest. Für alle, die es kalt, nass und nordisch mögen (ich habe es trotzdem sehr gemocht).

 

Möchten Sie mehr über das Buch erfahren oder es bestellen? Dann klicken Sie hier...
 Jeanette Jung: Gil Ribeiro „Lost in Fuseta“
Kiepenheuer & Witsch, Paperback, 2017, 400 Seiten
ISBN 978-3-462-04887-2, 14,99 €

 

Dieses Buch wäre einfach „nur“ ein gut gemachter Krimi, der in Portugal spielt, nach Art eines Tatorts, wenn da nicht die Hauptfigur Leander Lost wäre. Der Kommissar aus Hamburg nimmt an einem Austauschprogramm von Interpol teil und wird für ein Jahr nach Fuseta im Süden Portugals geschickt. Was seine neuen portugiesischen Kollegen zuerst nicht wissen: Lost ist ein Asperger. Menschen, die an dieser Form des Autismus leiden, haben Schwierigkeiten mit sozialer Kommunikation. Lost versteht beispielsweise keine Ironie und er kann nicht lügen. Bei den Ermittlungen in einem komplizierten Fall kann das natürlich äußert hinderlich sein und für jede Menge komische Situationen sorgen. Aber es gibt auch andere Seiten an diesem seltsamen Menschen: Leander Lost vergißt nichts und kann sich Dinge, die er gesehen hat, noch einmal vor dem inneren Auge hervorrufen und dann Details erkennen, die wichtig sein können. Mir ist dieser sympathische Außenseiter sofort ans Herz gewachsen! Neben der spannenden Krimihandlung mit ordentlich Algarve drin, habe ich dadurch beim Lesen sehr viel über Menschen mit Asperger-Syndrom gelernt.

 

Möchten Sie mehr über das Buch erfahren oder es bestellen? Dann klicken Sie hier...

QUODLIBET Buchhandlung OHG Kellereistr. 10 67433 Neustadt Tel. 06321 88930 kontakt@quodlibet.de Datenschutzerklärung