Wir empfehlen im Februar:


 Mirjam Alberti: Grégoire Hervier „Vintage“
Diogenes Verlag, gebunden, 390 Seiten
ISBN 978-3-257-07002-6, 24,- €

 

Sie brauchen ein cooles Geschenk für einen Musiker, womöglich einen Gitarristen? Dann landen Sie hiermit den absoluten Treffer.
Auf der Suche nach der seltenen, antiken Gibson Moderne reist Thomas Dupré quer über den Globus. Schnell wird die Reise zu einer wahnwitzigen Tour, die sich überaus kurios und gefährlich entwickelt. Auch Leser, die nicht gerne dicke Bücher lesen, wird diese spannende Handlung fesseln.Doch das Besondere an diesem Buch ist die Liebe zur Musik. Im Vorbeigehen erfährt der Leser allerhand über die Technikgeschichte der elektrischen Gitarre - und welcher Musiker mit welchem Sound Musikgeschichte geschrieben hat. Die Begeisterung, die Thomas schildert, wenn er eine besondere Gitarre in Händen hält und welchen Sound sie hat, ist einfach mitreißend.

 

Möchten Sie mehr über das Buch erfahren oder es bestellen? Dann klicken Sie hier...
 Frank Schwarz:  Hannah Rothschild „Die Launenhaftigkeit der Liebe“
Penguin Verlag, Taschenbuch, 2017, 509 Seiten
ISBN 978-3-328-10204-5, 12,- €

 

Junge unbedarfte Frau vom Land kauft im Trödelladen ein leicht kitschiges Gemälde, um es ihrer neuen Eroberung zu schenken. So beginnt ein rasanter und unterhaltsamer Roman über die Jagd nach einem verschwundenen Meisterwerk von Watteau. Das bunte Personal dieser Geschichte hat  das Meisterwerk immer wieder dicht vor der Nase und erkennt es nicht.
Annie wird Köchin im Kunsthandelshaus Winkleman und betritt die Welt der Londoner Superreichen, die sich als Sammelsurium verschrobener, durchgeknallter und durchaus auch eiskalter Egozentriker entpuppt. Sie weiss nicht, daß ausgerechnet ihr Fund aus dem Trödelladen eines, wenn  nicht sogar das wertvollste Bild der Welt sein kann. Und dann mischt sich das Bild auch noch ein und erzählt selbst von seiner Geschichte und seinen Gefühlen und ist nicht weniger arrogant und snobistisch als die Menschen, die es unbedingt besitzen wollen. Was die sympathische Annie auf dem Weg bis zur Authentifizierung und Versteigerung des Bildes erlebt, müssen Sie selbst lesen, es ist eine Achterbahn durch die Kunstszene. Die Autorin Hannah Rothschild ist eine intime Kennerin dieses Umfeldes und sie geht mit Hohn, Spott und Satire nicht gerade sparsam um. Umwerfend gut geschrieben und immer unterhaltsam, schöner Schmöker.

 

Möchten Sie mehr über das Buch erfahren oder es bestellen? Dann klicken Sie hier...
 Jeanette Jung: Yuval Noah Harari „Eine kurze Geschichte der Menschheit“
Pantheon Verlag, kartoniert, 2016, 526 Seiten
ISBN 978-3-570-55269-8, 14,99 €

 

Bereits „Die Zeit“ hat festgestellt, dass dieses Buch klug, präzise und vor allem so geschrieben ist, dass man es gar nicht mehr aus der Hand legen möchte. Diesem Urteil kann ich mich nur voll und ganz anschließen.
Vom Anfang des Homo Sapiens vor 70.000 Jahren bis zum Cyborg und der künstlichen Intelligenz der Zukunft spannt der Autor den Bogen. 526 Seiten prall gefüllt mit Wissen, dabei unglaublich kurzweilig geschrieben. Das findet man nicht so oft. Ich habe viel gelernt und über vieles nachgedacht während der Tage in denen ich das Buch gelesen habe. Zum Beispiel über die Spur der Verwüstung und Vernichtung, die der Homo Sapiens auf seiner Reise durch die Jahrhunderte überall hinterlassen hat. Aber auch über den Preis, den wir für Wachstum und Fortschritt zu zahlen bereit sind.
Harari stellt die nackten Informationen, die über die Geschichte der Menschheit vorliegen immer in den Kontext ethischer Gedanken. Das macht das Buch so wertvoll. Hier wird nicht nur einfach die Abfolge der menschlichen Geschichte erzählt, hier werden auf jeder Seite viele Fragen aufgeworfen. Fragen, die sich der Leser selbst beantworten muss.
Man spürt natürlich die Intention des Autors, aber nie mit platten Anspielungen oder massiven Fingerzeigen. Er hinterfragt verschiedene Gedanken, die man zu den einzelnen Entwicklungsschritten der Menschheit haben kann und bietet Deutungswege an. Damit lässt er – wie schreibt wiederum „Die Zeit“ so schön: „Gehirn wachsen“. Ich bilde mir ein, dass es funktioniert – probieren Sie es doch auch einmal aus!
Wie ich von einer Kundin gehört habe, ist das neue Buch des gleichen Autors mit dem Titel „Homo Deus“ in dem es um die Zukunft der Menschheit mit künstlicher Intelligenz, Smartwatches und Computern, die wissen, was wir wollen, bevor wir es selbst wissen ebenso lesenswert.

 

Möchten Sie mehr über das Buch erfahren oder es bestellen? Dann klicken Sie hier...

Wir empfehlen im Januar:


 Jeanette Jung: Laura McVeigh „Als die Träume in den Himmel stiegen“
Fischer Verlag, kartoniert, 2017, 350 Seiten
ISBN 978-3-596-29970-6, 14,99 €

 

Zunächst dachte ich: „Eine seltsame Geschichte ist das von einer geflüchteten afghanischen Familie, die in der Transsibirischen Eisenbahn offensichtlich schon ganz lange und ständig hin und her fährt...“ Doch nach und nach erzählt uns die junge Samar in Rückblenden das Leben dieser Menschen und irgendwann wird klar, wer da eigentlich in der Eisenbahn sitzt. Die Träume der kleinen Samar steigen in den Himmel, weil sie nur so die traumatischen Erlebnisse und schlimmen Erinnerungen verarbeiten kann. Und erst im Laufe des Romans stellt sich heraus, was Traum und was Wirklichkeit ist. Die Wirklichkeit in diesem geschundenen Land Afghanistan in Zeiten der Machtübernahme der Taliban ist auch für mich während der Lektüre fast nicht auszuhalten gewesen, obwohl es „nur ein Roman“ ist und ich nichts dergleichen je erlebt hätte. Wie muss es erst den Menschen in der Wirklichkeit gegangen sein und noch ergehen, die ein solches Schicksal sicherlich zu Tausenden erlitten haben?Keine leichte Lektüre – wegen des Leids das hier geschildert wird – aber eine unglaublich intensive durch die Rückblenden und die Vermischung von Realität und Träumen. Wenn Ihnen die Bücher von Khaled Hosseini gefallen haben, könnte auch dieses Buch eine passende Lektüre für sie sein, auch wenn es nicht  direkt vergleichbar ist. Schließlich erzählt die irische Autorin letztendlich als Fremde von erlebten Eindrücken in Afghanistan .

 

Möchten Sie mehr über das Buch erfahren oder es bestellen? Dann klicken Sie hier...
 Frank Schwarz:  Sabrina Janesch „Die goldene Stadt“
Rowohlt Verlag, gebunden, 528 Seiten
ISBN 978-3-87134-838-9, 22,95 €

 

Ein abenteuerbegeisterter Schlosser aus Deutschland sucht die legendäre Stadt El Dorado. Zuvor hat er alles gelesen, was ihm an Reiseberichten aus Peru in die Finger kam und Spanisch gelernt. In der Mitte des 19. Jahrhunderts geht der junge Rudolph August Berns nach Südamerika, einzig von dem Gedanken geleitet, dort sein Glück als Entdecker zu machen. Er lernt beim Militär einflussreiche Freunde kennen, arbeitet für die Vermessung der Eisenbahnstrecken, gründet mitten im Dschungel ein Sägewerk und findet vermutlich im Jahre 1876 die grandiose Ruinenstadt Machu Picchu, viele Jahre vor dem Amerikaner Hiram Bingham im Jahre 1911.
Eine tolle Geschichte, und sie ist wahr. Sabrina Janesch erzählt in diesem Roman nach eigenen Recherchen (und den vor Historikern) die Lebensgeschichte des Mannes, der sich Augusto Berns nannte und bis vor kurzem ein unbeschriebenes Blatt war.
Sie gestaltet diesen historischen Roman nach Tatsachen, erzählt dabei aber spannend und fesselnd von der Sehnsucht nach Ruhm und Reichtum und vom großen Betrug, der am Ende steht.
Schöne, spannende Lektüre, habe ich mit Gewinn gelesen.

 

Möchten Sie mehr über das Buch erfahren oder es bestellen? Dann klicken Sie hier...
 Mirjam Alberti: Orhan Pamuk „Die rothaarige Frau“
Hanser Verlag, gebunden, 288 Seiten
ISBN 978-3-446-25648-4, 22,- €

 

Cem darf einen Sommer lang bei einem traditionellen Brunnenbauer arbeiten. Erfahren und väterlich führt er den Jugendlichen in das gefährliche Handwerk ein. Doch dieser ist die meiste Zeit mit seinen aufgeregten Gedanken bei der schönen Frau, die im Wanderzirkus arbeitet.
Spannend und mitreißend erzählt Orhan Pamuk die Geschichte von Cem in seiner Jugend und seinem Werdegang als Immobilienhändler. Dabei lässt er den Leser eintauchen in die alte und neue Türkei, in Fragen von Schuld und Vergebung. Besonders liebevoll webt er den Respekt für das alte Handwerk und die faszinierende Ausstrahlung von historischen Sagen ein, ohne altertümlich in der Vergangenheit zu verharren.
Ich hatte noch nie etwas von Orhan Pamuk gelesen und bin froh nun einen Roman von diesem besonderen Schriftsteller kennengelernt zu haben. Seine Sprache beflügelt die Phantasie und seine Erzählkunst zieht den Leser in den Bann. Kein Wunder, dass er 2006 den Nobelpreis der Literatur bekommen hat.

 

Möchten Sie mehr über das Buch erfahren oder es bestellen? Dann klicken Sie hier...

Wir empfehlen im Dezember:


 Frank Schwarz:  „Valerian - Die Stadt der tausend Planeten“ Ein Film von Luc Besson
DVD, Mit Dane Dehaan, Cara Delevingne u.a. 133 Minuten. 2017
EAN 0889854217099, 14,99 €

 

Fünfzig Jahre nach dem Start der Comicserie „Valerian & Laureline“ in Frankreich brachte Luc Besson im Sommer diesen Film nach Motiven zweier „Valerian“-Alben ins Kino. Ein Wunder!
Wer wie ich in den Jahren des „Space-Age“ Kind war und das Apollo-Programm, Weltraumthemen und Star Trek, SF-Romane und Filme aufgesogen hat, wird mit diesem Film reich belohnt. Ein quietschbuntes, lebendiges, verblüffendes und soo unterhaltendes Kinoerlebnis. Unzählige SF-Filme haben in diesen Stories Ideen und Konzepte, vor allem Designs geklaut. Christin und Mézières, die Erfinder der Valerian-Comics haben ein Universum geschaffen, das Fans einfach glücklich macht. Und ich bin mit allem einverstanden, mit der Besetzung der Hauptrollen, mit dem Sound, mit dem Gastauftritten von Ethan Hawke und Rihanna, ich könnte stundenlang weiter einverstanden sein.
Wenn am Anfang David Bowie seinen „Major Tom“ ins All schickt, weist das auf den Beginn der Geschichte von 50 Jahren hin und wenn am Ende Valerian in einer alten Kapsel, „der Tin Can“, von der Bowie sang, durchs All segelt ( wie James Bond einmal in einem Schlauchboot trieb), ist der Film wieder am Ausgangspunkt aller Weltraumträume angelangt. Einfach perfekt.
Auf Youtube gibt’s den Trailer unter „Valerian Opening“ und den Trailer mit „Because“ zur Einstimmung. Macht glücklich.

 

Möchten Sie mehr über das Buch erfahren oder es bestellen? Dann klicken Sie hier...
 Mirjam Alberti: Juli Zeh „Leere Herzen“
Luchterhand Verlag, gebunden, 352 Seiten
ISBN 978-3-630-87523-1, 20,- €

 

Es ist das Jahr 2020, die Bewegten Bürger haben Angela Merkel abgelöst und bauen entschlossen ein demokratisches Grundrecht nach dem anderen ab. Britta hat sich in dieser Welt eingerichtet, ihre erfolgreiche Firma macht skrupellose Geschäfte mit dem resignierten Grundgefühl in der Gesellschaft. Ihre Freundin sucht das Glück im Privaten und träumt vom Familienidyll im Bauernhaus. Doch bald überschlagen sich die Ereignisse und Brittas Leben wird zum Politthriller.
Schnell wird der Roman sehr, sehr spannend und ich konnte ihn kaum noch aus der Hand legen. Juli Zeh versteht fabelhaft das erzählerische Handwerk, sie schafft es den Leser mitzureißen.Darüber hinaus hat sie in diesem besonderen Roman phantasievoll und bissig eine Zukunftsvision entworfen, die erschreckend nah an der heutigen Realität ist. Nicht nur im öffentlichen Leben streitet Juli Zeh offensiv für Demokratie und Engagement für Bürgerrechte, auch ihr Roman möchte leere Herzen zum Leben erwecken.

 

Möchten Sie mehr über das Buch erfahren oder es bestellen? Dann klicken Sie hier...
 Jeanette Jung: Martin Kaule „Außergewöhnliche Hotels“
Bassermann, Paperback, 2017, 160 Seiten mit vielen Farbfotos
ISBN 978-3-8094-3646-1, 14,99 €

 

Suchen Sie noch ein Buchgeschenk für Weihnachten? Oder möchten Sie vielleicht Ihren Schatz mit einem ganz besonderen Wochenende überraschen? Dann habe ich einen Vorschlag für Sie! Das Buch „Außergewöhnliche Hotels“ eignet sich direkt zum Verschenken oder Sie blättern selbst darin, um eine originelle Geschenkidee zu finden.
Martin Kaule präsentiert vorwiegend Hotels in Deutschland, ein paar auch in Österreich und in der Schweiz. Doch es sind keine gewöhnlichen Hotels, die hier porträtiert werden. Es handelt sich um außergewöhnliche Übernachtungsorte. Sei es im Iglu auf der Zugspitze, in einem Baumhaus, im Zirkuswagen, in einem Zelt hoch oben frei hängend zwischen Bäumen, auf der Alphütte, im Märchenpark, im Bauwagen, in einem Kunstwerk, im ehemaligen Gefängnis, in einem Eisenbahnwaggon oder ganz romantisch unter freiem Himmel in einem Schloßpark. Das sind nur einige der 150 besonderen Nächte, die Ihnen in diesem Buch vorgeschlagen werden. Schauen Sie einfach mal rein – es lohnt sich!

 

Möchten Sie mehr über das Buch erfahren oder es bestellen? Dann klicken Sie hier...

Wir empfehlen im November:


 Mirjam Alberti: Georg Watsky „Wie man es vermasselt“
Diogenes Verlag, gebunden, 333 Seiten
ISBN 978-3-257-07007-1, 22,- €

 

Georg Watsky ist Rapper, HipHopper und Poetry Slammer aus San Fransisco:


http://georgewatsky.com/

Seine Songs sind originell und tiefsinnig. Man braucht keine Sorge haben, plötzlich derbe sexistische Parolen mitzusingen. Zusammen mit den Videos wirft er auch politische und philosophische Fragen auf. In seinem Debütroman erzählt er kurze Geschichten aus seinem Leben  – witzig, cool und selten heldenreich. Eher geht es auch mal um das Scheitern. Zum Beispiel auf dem Baseballfeld, als Außenseiter in der Schule, als einsamer Alleinunterhalter, dessen Witze irgendwie nicht ihre Wirkung erzielen…

 

Möchten Sie mehr über das Buch erfahren oder es bestellen? Dann klicken Sie hier...
 Frank Schwarz: Peter May „Der ewige Schlaf“ Kriminalroman
Bastei-Lübbe Taschenbuch, 2016. 478 Seiten
ISBN 978-3-404-17441-6, 10,90 €

 

Weit draußen vor dem kanadischen Festland liegt die „Entry Island“, bewohnt von etwa 100 Menschen, schwer erreichbar mit Flugzeug und Fähre. Ein Mordfall auf dieser entlegenen Insel stellt das Ermittlerteam der Polizei aus Montreal vor echte Herausforderungen. Detektive Sime Mackenzie fühlt sich unwohl – er ist in der Ermittlertruppe ein Außenseiter, der wegen seiner Englischkenntnisse mit im Boot sitzt. Die Bewohner von Entry Island sprechen im Gegensatz zu den Bewohnern der Provinz Quebec Englisch statt Französisch.  Vom ersten Moment an läuft etwas schief, denn ein unmögliches Gefühl sagt Mackenzie, daß er die Tatverdächtige kennt, und das kann nicht sein.
Der schottische Krimiautor Peter May erzählt eine spannende Geschichte aus dem rauhen Norden. Die Familiengeschichte des Ermittlers ist dabei eng mit der aktuellen Krimihandlung verknüpft. Aus den Erinnerungen an die Erzählungen seiner Großmutter folgen Erkenntnisse zur Aufdeckung der Tat.
Toller Krimi, der sich in den historischen Teilen wie ein Abenteuerroman von Stevenson liest. Für alle, die es kalt, nass und nordisch mögen (ich habe es trotzdem sehr gemocht).

 

Möchten Sie mehr über das Buch erfahren oder es bestellen? Dann klicken Sie hier...
 Jeanette Jung: Gil Ribeiro „Lost in Fuseta“
Kiepenheuer & Witsch, Paperback, 2017, 400 Seiten
ISBN 978-3-462-04887-2, 14,99 €

 

Dieses Buch wäre einfach „nur“ ein gut gemachter Krimi, der in Portugal spielt, nach Art eines Tatorts, wenn da nicht die Hauptfigur Leander Lost wäre. Der Kommissar aus Hamburg nimmt an einem Austauschprogramm von Interpol teil und wird für ein Jahr nach Fuseta im Süden Portugals geschickt. Was seine neuen portugiesischen Kollegen zuerst nicht wissen: Lost ist ein Asperger. Menschen, die an dieser Form des Autismus leiden, haben Schwierigkeiten mit sozialer Kommunikation. Lost versteht beispielsweise keine Ironie und er kann nicht lügen. Bei den Ermittlungen in einem komplizierten Fall kann das natürlich äußert hinderlich sein und für jede Menge komische Situationen sorgen. Aber es gibt auch andere Seiten an diesem seltsamen Menschen: Leander Lost vergißt nichts und kann sich Dinge, die er gesehen hat, noch einmal vor dem inneren Auge hervorrufen und dann Details erkennen, die wichtig sein können. Mir ist dieser sympathische Außenseiter sofort ans Herz gewachsen! Neben der spannenden Krimihandlung mit ordentlich Algarve drin, habe ich dadurch beim Lesen sehr viel über Menschen mit Asperger-Syndrom gelernt.

 

Möchten Sie mehr über das Buch erfahren oder es bestellen? Dann klicken Sie hier...

Wir empfehlen im Oktober:


 Jeanette Jung: Mariana Leky „Was man von hier aus sehen kann“
DuMont-Verlag, gebunden, 2017, 315 Seiten
ISBN 978-3-8321-9839-8, 20,- €

 

Mein Lieblingsbuch in diesem Herbst. Es enthält alles was ein Leben braucht. Es ist zum laut loslachen und gleichzeitig sehr anrührend und emotional. Nicht zuletzt hat es eine tolle Sprache und Erzählweise, die vor allem durch das Weglassen besticht.
Da gibt es Luise die Erzählerin, Martin ihr bester Freund, die alte Selma, die am besten nicht von Okapis träumt, weil dann jemand stirbt, den alten Optiker, der sich nicht traut Selma seine Liebe zu gestehen, der Vater, der von seinem Therapeuten dazu animiert wird, die Welt zu bereisen, die Mutter, die nie Zeit hat und immer zu spät kommt, der Eisdielenbesitzer, der der Mutter näher kommt und vor allem gibt es da Frederik, der Buddhist, der in Japan im Kloster lebt, obwohl er doch hier sein sollte an Luises Seite, und noch viele viele andere schrullige und liebenswerte Figuren, die dieses Dörfchen im Westerwald bevölkern.
Hinter den oberflächlich witzigen Lebenssituationen verbergen sich reichlich Dinge, die uns allen nicht fremd sind. Wenn wir ehrlich sind, leben Eigenschaften von jedem ein wenig auch in uns. Und wie in unserem Leben gibt es auch in Luises Umfeld neben den komischen Situationen viel Trauriges, Geschehnisse, die man vielleicht sein Leben lang nicht überwindet. Marina Leky serviert uns schöne Unterhaltung in bester Manier, dabei aber nie platt, seicht oder kitschig!!!

 

Möchten Sie mehr über das Buch erfahren oder es bestellen? Dann klicken Sie hier...
 Mirjam Alberti: Anne von Canal „Whiteout“
Mare Verlag, gebunden, 2017, 192 Seiten
ISBN 978-3-86648-247-0, 20,- €

 

Hanna leitet eine wichtige Antarktisexpedition. Die Ergebnisse ihres Teams sind relevant für die Klimaforschung. Doch Witterung und Technik halten das Team in Atem.
Dazu ist Hanna innerlich mehr als abgelenkt durch eine erschütternde Nachricht ihres Bruders. Sie ist gefangen in Bildern aus ihrer Kindheit und Gedanken an ihre Jugendfreundin Fido. Zusammen mit ihrem Bruder haben sie als Kinder in endlosen Variationen die Expedition von Scott und Amundsen nachgespielt. Doch die Freundschaft erlebte einen plötzlichen Bruch.

Anne von Canal ist mit Whiteout ein besonderer Roman gelungen. Sie hat ein spannendes Abenteuer in Schnee und Eis verwoben mit lebendigen Kindheitserinnerungen und tiefen Gefühlen.

 

Möchten Sie mehr über das Buch erfahren oder es bestellen? Dann klicken Sie hier...
 Frank Schwarz: Xiaolu Guo „Kleines Wörterbuch für Liebende“ Roman
Penguin Verlag, 2017, Tascehnbuch, 368 Seiten
ISBN 978-3-328-10106-2, 10,- €

 

Eine junge chinesische Studentin wird von ihren Eltern für ein Jahr nach England geschickt. Sie soll dort Englisch lernen. Mutterseelenallein, verloren in der Großstadt London und ohne ausreichende Sprachkenntnisse beginnt sie ihren Weg. Am Ende dieses Jahres hat sie eine bedeutende Entwicklung zu einer reifen Persönlichkeit gemacht und ist ein anderer Mensch geworden. Doch auf dem Weg dorthin erlebt sie allerlei lustige und tragische Begebenheiten, Begegnungen mit anderen Menschen und vor allem eine bittersüße (also nicht-romantische) Liebesgeschichte mit einem bisexuellen eigenbrödlerischen Vegetarier, der etliche Jahre älter ist als sie.
Ganz besonderen Reiz zieht das Buch aus seiner Erzählweise. Die Chinesin Zhuang erzählt strikt aus ihrer Sicht. Und wenn ihre sprachlichen Mittel am Anfang des Buches noch nicht ausreichen, dann werden halt die Sätze verkürzt und die Worte passend gemacht. Das ist ein Effekt, der zuerst zum Schmunzeln und dann zur Nachdenken und auch zum Nachfühlen führt. Je mehr diese junge Frau von der fremden Sprache lernt, desto komplexer werden die Themen, die sie bewegen und desto wortreicher die Auseinandersetzungen und Versöhnungen mit ihrem seltsamen Lebensgefährten.
Dieses Buch ist ein Wagnis, lassen Sie sich darauf ein, sie werden sich wundern…

 

Möchten Sie mehr über das Buch erfahren oder es bestellen? Dann klicken Sie hier...

Wir empfehlen im September:


 Mirjam Alberti: Valeria Parrella „Liebe wird überschätzt“
Hanser Verlag, gebunden, 2017, 144 Seiten
ISBN 978-3-446-25650-7, 18,- €

 

Valeria Parrella, „Liebe wird überschätzt“, Hanser Verlag, gebunden, 144 Seiten, ISBN 978978-3-446-25650-7, 18€
Die neue italienische Autorin Valeria Parrella hat bei Hanser den schönen Band mit Erzählungen „Liebe wird überschätzt“ veröffentlicht. Acht unterschiedlichste Erzählungen, die lebendig und nah Szenen aus unserer Lebenswelt zeichnen.
Oft haben Kurzgeschichtenbände ihren Reiz darin, dass in einem Band Variationen ähnlicher  Themen und Erzählperspektiven versammelt sind. In diesem Band überrascht die Autorin damit, dass jede Geschichte so anders ist. Sie schafft es eindrucksvoll sich in die unterschiedlichsten Persönlichkeiten und Lebenssituationen hinein zu versetzen.Tochter und ältere Mutter, eine Äbtissin im Kloster, ein lebenslang verurteilter Mensch…. Jede Geschichte hat ihre eigene Intensität und ihren eigenen überraschenden Gedanken.

 

 

Möchten Sie mehr über das Buch erfahren oder es bestellen? Dann klicken Sie hier...
 Jeanette Jung: Emmanuelle Pirotte „Heute leben wir“
Fischer Verlag, gebunden, 2017, 287 Seiten
ISBN 978-3-10-397211-5, 20,- €

 

„Heute leben wir“ spielt im Kriegswinter 1944 in den Ardennen. Die beiden Hauptfiguren könnten verschiedener nicht sein: Renée eine 7jährige Jüdin, ohne Eltern, die von verschiedenen Menschen immer wieder vor den Deutschen versteckt wurde und nun doch einem deutschen SS-Mann (Matthias) in die Hände gerät. Der hat eigentlich mit seinem Leben abgeschlossen. Er erscheint eiskalt und abgeklärt. Bis er in die Augen von Renée blickt, gerade als er sie erschießen soll.
Und diese kleine Renée wird ihn nicht mehr loslassen, das ganze Buch hindurch nicht. Ich habe viel gelernt beim Lesen dieser Geschichte. So wusste ich nicht, dass es deutsche SS-Männer gab, die als Amerikaner getarnt in Frankreich unterwegs waren und mit dieser Verkleidung versuchten, die Macht der Franzosen von innen heraus aufzubrechen. Matthias ist so einer…
Die Geschichte ist sicherlich autobiografisch gefärbt, denn die Großeltern der Autorin haben ein jüdisches Kind vor den Nazis versteckt. Die Handlung ist – wie kann es in diesem Krieg anders sein – teilweise sehr brutal dargestellt, hat aber gleichzeitig viele berührende Stellen. Mich hat die Geschichte sehr beschäftigt, selbst die eigenartig distanzierte Art der Autorin zu erzählen, hat dem keinen Abbruch getan. Ich musste einfach wissen, wie es weitergeht. Das Buch wird in diesem Jahr verfilmt und ich denke, es hat auch das Zeug dazu, denn es gibt „Action“ (wodurch eine große Spannung entsteht), und trotzdem gibt es viele sehr emotionale Momente, die dem Ganzen die nötige Tiefe geben.
Einziger minimaler Punktabzug von meiner Seite: Ich kann nicht so recht glauben, dass eine 7jährige die Sätze spricht, die die Autorin ihr in den Mund legt. Dazu ist Renée meines Erachtens zu jung. Aber wer weiß, was die Erlebnisse, die sie offenbar hatte, mit so einem Kind machen?

 

Möchten Sie mehr über das Buch erfahren oder es bestellen? Dann klicken Sie hier...

QUODLIBET Buchhandlung OHG Kellereistr. 10 67433 Neustadt Tel. 06321 88930 kontakt@quodlibet.de Datenschutzerklärung