Wir empfehlen im Juli:


 Jeanette Jung: Rana Ahmad „Frauen dürfen hier nicht träumen“
btb Verlag, kartoniert, 2018, 317 Seiten
ISBN 978-3-442-75748-0, 16,- €

 

Erschreckend, ernüchternd, berührend und manchmal nur in Häppchen genießbar: So liest sich die Lebensgeschichte von Rana Ahmad bis zur Ihrer Flucht nach Deutschland.
Saudi-Arabien glitzerndes, reiches Land, gleichzeitig das Land in dem Frauen aber auch gar nichts zu melden haben. Selten wurde mir das in dieser Deutlichkeit klar. Es fällt mir bei der Lektüre dieser Autobiografie schwer die aufkeimende Wut auf solche Ungerechtigkeit zu zügeln. Mädchen, die sich schon im Kindesalter verhüllen müssen, unerfahrene junge Frauen, die von Männern ausgenutzt werden und deren Leben anschließend zerstört ist, Zwangsehen, Frauen, die nur in Begleitung eines männlichen Familienangehörigen aus dem Haus dürfen und dann nur totalverschleiert, Frauen, die nicht arbeiten, nicht studieren, nichts selbständig entscheiden dürfen, wenn der Mann das nicht wünscht – und dass er das nicht wünscht ist die Regel. Und so weiter und so weiter. Dieses Land ist kein Deut besser als andere islamisch geprägte Staaten. Nur hört man nicht viel davon, denn schließlich will es sich der Westen mit den reichen Saudis nicht verscherzen… Hier werden wie an anderer Stelle auch die Rechte von Frauen mit Füssen getreten und die Welt schweigt. Der einzige Trost bei der Lektüre dieses Buches: Man weiß schon von Beginn an, dass es wenigstens diese junge Frau geschafft hat, dem allen zu entkommen. Vielen Dank für diesen mutigen Bericht aus dem Innern eines solchen Lebens. Ich wünsche Ihr, dass sich ihre derzeitige gänzliche Abkehr von jeglicher Religion doch noch wandelt, wenn sie ein weltoffenes und warmherziges Christentum in Deutschland kennen lernt.

 

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 Frank Schwarz:  Lucy Fricke „Töchter“ Bd. 1
Rowohlt Verlag, gebunden, 240 Seiten, 2018
ISBN 978-3-498-02007-1, 20,- €

 

Zwei Frauen brechen auf zu einer Reise in die Schweiz, mit einem todkranken Vater auf der Rückbank. Martha und Betty kennen sich seit zwanzig Jahren und entscheiden sich fürs Durchbrettern. Doch nichts endet, wie man es sich vorgestellt hat, und schon gar nicht das Leben. Und auf einmal sind sie auf einer Fahrt durch Italien und Griechenland auf der Suche nach Herkunft und Heilung. Mit einem Humor aus Notwehr und einer Wahrhaftigkeit, die weh tut, erzählt Lucy Fricke von einer grotesken Reise immer tiefer in die Abgründe der eigenen Geschichte.
Diese Erzählerin hat einen umwerfend trockenen Humor. Vergleiche mit „Thelma & Louise“ oder „Tschick“ verbieten sich die beiden Frauen selbst, denn „wir sind nicht mal unterdrückt“. Dafür lastet das Gewicht des Lebens auf ihnen. Superbuch, ich freue mich auf die Lesung am 30.11.18 in der Stadtbücherei Neustadt.
 
Lucy Fricke ist 1974 in Hamburg geboren und für ihre Arbeit mehrfach ausgezeichnet worden. Sie veranstaltet seit 2010 HSM.LIT, das erste Hamburger Fesival für Literatur und Musik. "Töchter" ist ihr vierter Roman.


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Wir empfehlen im Juni:


 Frank Schwarz:  Virginie Despentes „Das Leben des Vernon Subutex“ Bd. 1
Kiepenheuer & Witsch Paperback, 400 Seiten
ISBN 978-3-462-05207-7, 12,- €

 

Vernon Subutex sitzt auf der Straße. Er hat nach erfolgreichen Jahren seinen berühmten Plattenladen REVOLVER in Paris schließen müssen. Ein Opfer der Digitalisierung ist er geworden und war doch vorher ein bekanntes Mitglied des popkulturellen Establishments der französischen Metropole. Zum Glück kennt er noch einige alte Kumpels und verflossene Liebschaften, bei denen er einige Tage Obdach findet, bevor diese ihn in hohem Bogen wieder rauswerfen. Subutex ist kein angenehmer Zeitgenosse, das erfahren wir nebenbei. Da er die möglicherweise intime Lebensbeichte eines verstorbenen Popstars sein Eigen nennt, wird er zur gesuchten Person. Die Autorin Virginie Despentes zeichnet in diesem Roman ein schonungsloses Bild der französischen Gesellschaft. Wie in einem Reigen begegnen uns Menschen aus allen Schichten. Die Geschichte von Vernon Subutex umfasst mittlerweile drei Bände und ihre Autorin wird mit Balzac verglichen in ihrem Anspruch, die Sitten und Moral ihrer Zeit zu zeichnen. Ich empfehle Ihnen dieses große Werk sehr - es ist umwerfend!


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 Katharina Schütz: C. J. Tudor „Der Kreidemann“
Goldmann, 2018, gebunden, 384 S.
ISBN 978-3-442-31464-5, 20,- €

 

Ein Jahrmarktunfall, mit dem alles begann … ein Unfall … Ein Mord … 30 Jahre Zeit zum Aufarbeiten und Verdrängen … ein brauner Umschlag mit der Zeichnung eines gehenkten Kreidemännchens und einem Stück Kreide … und die Geschichte scheint sich zu wiederholen, oder war sie noch nie zu Ende?
Ed Adams, 42, Lehrer, Sammler, Erzähler der Geschichte, erhält eben einen solchen Umschlag und die Erinnerung an die Geschehnisse von damals blühen frisch auf. 1986 war er 12 Jahre und mit seiner Clique immer unterwegs und auf der Suche nach Abenteuern. Doch sie finden mehr, als sie sich erhofft haben und geraten mitten hinein in die Verwirrungen und Verstrickungen des Lebens, die auch Opfer fordern.
Die Erzählung und Aufarbeitung der Geschichte wechselt zwischen den Erinnerungen an 1986 und den Geschehnissen von 2016. Inzwischen erwachsen, versteht Ed einiges besser, ist nun selbst Teil der Welt der Erwachsenen mit all ihren Problemen, die damals noch von ihm ferngehalten werden sollten. Damals wie jetzt ist er aber auch ein Gefangener seiner Alpträume und seiner Entscheidungen.
C.J. Tudor versteht es, die Handlung spannend voranzutreiben, kleine Hinweise zu streuen, aber bis zum Schluss mit der Enthüllung der letzten wichtigen Details zu warten. Dabei gibt es kein endgültiges Gut und Böse, aber einige Überraschungen.Unbedingt empfehlenswert!     

 

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 Mirjam Alberti: Jessie Burton „Das Geheimnis der Muse“
Insel Verlag, Paperback, 455 Seiten
ISBN 978-3-458-36329-3, 14,95 €

 

Odelle zieht als junge schwarze Frau aus Trinidad in den 60igern nach London. Ein Job als Tippse ist das Höchste, was sie erwarten kann. Da ist es ein absoluter Glücksfall, dass sie den interessanten Job als Sekretärin im Museum bekommt. Nicht nur die Chefin ist eine ungewöhnliche Frau mit mehr als einem Geheimnis.
Olive zieht als Jugendliche in den 30igern mit ihrer Familie in die spanische Einöde. Die flirrende Hitze, das ferne Donnergrollen der Revolution und das Erwachsenwerden inspirieren sie für Ihre heimliche Leidenschaft: die Malerei.Jessie Burton hat einen mitreißenden Roman mit einer spannenden Handlung geschrieben. Lebendig und kunstvoll erzählt sie dabei von der europäischen Kunstszene in den 30iger um Peggy Guggenheimer, dem Leben auf dem spanischen Land und den swinging sixties in London. Doch vor allem erzählt sie von Frauen in der Kunst und ihrem schweren Stand dort.

 

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 Jeanette Jung: Jens Rosteck „Joan Baez - Porträt einer Unbeugsamen“
Osburg Verlag, gebunden, 2018, 357 Seiten
ISBN 978-3-95510-142-8, 24,- €

 

Pünktlich zur Abschiedstournee der „Grande Dame des Widerstandes gegen alles Unrecht“ legt der Osburg Verlag diese detaillierte Biografie vor. Ein absolutes „must-have“ für alle Fans von Joan Baez und solche, die es noch werden wollen.
Ich wusste zwar schon, dass es sich hier um eine politisch engagierte Sängerin handelt, aber mir war nicht bekannt, in welchem Umfang Joan Baez diesen Einsatz für Frieden und gegen Unterdrückung und Unrecht ihr ganzes Leben lang schon betreibt. Mich haben immer schon ihre glasklare Stimme und die Art der Musik sowie die Texte ihrer Lieder sehr berührt, doch erst mit der Lektüre dieses tollen Buches habe ich erfahren, wieviel mehr noch hinter all dem steckt. Jens Rosteck verwendet in vielen Kapiteln Detailinfos der Songs um die Lebenssituation dieser Ausnahmekünstlerin in der Lebenssituation aufzuzeigen als diese Lieder entstanden sind.
Mit der Lektüre dieses Buches wurde mir deutlich, dass der Schwerpunkt im Leben von Joan Baez von Anfang an auf Friedensarbeit lag und die Lieder immer nur ihr Mittel zum Erreichen eines gesteckten Zieles gewesen sind. Toll, wenn dabei eine so berührende Musik herauskommt!

 

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Wir empfehlen im Mai:


 Katharina Schütz: Celeste Ng (sprich: Ing) „Kleine Feuer überall“
dtv, 2018, gebunden, 384 S., ca. 21 cm
ISBN 978-3-423-28156-0, 22,- €

 

Es beginnt mit einem Feuer! Das Haus der Richardsons steht in Flammen, es brennt in jedem der sechs Schlafzimmer, drei der Kinder sitzen vorm Haus auf den Motorhauben ihrer Autos, nur die jüngste Tochter der Richardsons fehlt und allen ist klar: sie war es. Muss es gewesen sein, denn sie war schon immer etwas anders, aufmüpfiger, sonderlich, ein Problemfall!
Das mag auch alles zutreffen, rückblickend beschreibt Celeste Ng aber die Vorkommnisse dieses Frühjahres und blickt manchmal noch etwas weiter in die Vergangenheit und man beginnt zu zweifeln. In Shaker Heights, einem Vorzeigevorort von Cleveland, Ohio, ist alles geregelt, festgeschrieben oder in den Köpfen der Leute verankert. Mrs Richardson ist überzeugt, daß diese Regeln wichtig sind, die schwarz-weiße Sicht auf die Welt hilft ihr, darin zurechtzukommen. Doch ihre jüngste Tochter Isabelle ist ein Freigeist und scheut sich nicht davor, die Dinge zu hinterfragen. In den Monaten vor dem Feuer kommt einiges zusammen, was die ruhige Welt von Shaker Heights und das Leben der Richardsons durcheinanderwirbelt – kleine Feuer überall, die sich am Schluss fast zum Flächenbrand ausweiten.Celeste Ng fesselt einen mit ihrem Stil und ihrer fein durchdachten komplexen aber auch einfühlsamen Geschichte, die einen nicht nur einmal vor das Problem stellt, seine eigenen Überzeugungen und Regeln zu reflektieren und zu hinterfragen.

 

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 Frank Schwarz:  Luca D’Andrea „Das Böse es bleibt“ Thriller
DVA Deutsche Verlags-Anstalt. Paperback, 424 Seiten
ISBN 978-3-421-04806-6, 15,- €

 

Nach dem wunderbar spannenden Debut „Der Tod so kalt“ legt der Südtiroler Autor Luca D’Andrea nun seinen zweiten Thriller vor, mit dem er mich wieder absolut überzeugt hat.
Marlene ist auf der Flucht. Mit einem Beutel voll Saphiren, die sie ihrem kriminellen Ehemann entwendet hat, steuert sie panisch ihr Auto durch einen Schneesturm. Es sind die sechziger Jahre, und vom Boom der Region Südtirol wollen alle profitieren. Doch Marlene ist auf und davon, sie will das Mafia-Spiel nicht mehr mitspielen. Da stürzt ihr Wagen in eine Schlucht und sie erwacht in einer abgelegenen Berghütte, gerettet von einem wortkargen alten Bergbauern. Während der rasende Ehemann alles in Bewegung setzt, Marlene zu finden, ahnt diese, dass vom Einsiedler die größere Gefahr ausgeht…Ein temporeicher und sehr verblüffender Thriller. Luca D‘ Andrea mixt die Suche nach der Verschwundenen, der unsere Sympathie gehört, mit einer eiskalten Horror-Psychogeschichte. Immer in der Schwebe zwischen Rettung und Gefahr hängt hier alles am seidenen Faden. In einer lebensfeindlichen Umwelt kann jeder Fehler sofort die Hoffnung auf ein gutes Ende zunichte machen. Spannung, Gänsehaut, Entsetzen, alles garantiert. Und originell dazu. Lassen Sie es im Mai noch einmal richtig eisig werden bei dieser Lektüre.


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 Mirjam Alberti: Laetita Colombani „Der Zopf“
S.Fischer, gebunden, 288 Seiten
ISBN 978-3-10-397351-8, 20,- €

 

Ein bewegender Roman über drei Frauenschicksale.
Smita lebt in Indien und ist eine Unberührbare. Sie möchte ihrer Tochter diese vorprogrammierte Zukunft ersparen und sucht fieberhaft einen Weg in die Freiheit.
Giulia führt eine traditionelle Perückenmanufaktur auf Sizilien und muss einen effektiven Weg finden, um den Konkurs abzuwenden.
Sarah ist eine erfolgreiche Anwältin in Kanada. Doch eine Krankheit bewegt diese Karrierefrau dazu, ihren Lebensstil zu überdenken.
Mitreißend nehmen diese drei Frauen ihr Schicksal in die Hand. Seite um Seite überschlagen sich die Ereignisse und steuern auf den Wendepunkt im Leben dieser bewundernswerten Personen zu. So ist Laetitia Colombani ein berührender und leicht zu lesender Roman gelungen.

 

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 Jeanette Jung: Claus Cornelius Fischer „Commissaris van Leeuwen und das Mädchen mit der Silbermünze“
Thiele Verlag, kartoniert, 2018, 489 Seiten
ISBN 978-3-85179-405-2, 16,- €

 

Commissaris van Leeuwen ermittelt wieder, wie schön!  Der Thiele Verlag hat wohl beschlossen auf der derzeit so angesagten Welle der „Lokalkrimis“ mit zu reiten und die Krimis von Claus Cornelius Fischer mit seinem in Amsterdam ermittelnden Commissaris nach und nach wieder auf den Markt zu bringen. Begonnen hat der Verlag mit dem 5. Fall, der dieses Jahr erschienen ist, die weiteren sollen folgen. Man kann bedenkenlos mitten in der Reihe einsteigen, insofern starten Sie einfach hier. Allerdings gilt zu wissen, dass es dieses Buch zuvor unter einem anderen Titel gab, nämlich mit dem Mädchen mit der Silberraupe – also obacht, nicht dass Sie das gute Werk doppelt zuhause haben. Claus Cornelius Fischer schreibt spannend mit rasantem Tempo und hat trotzdem Zeit die einzelnen Charaktere gekonnt zu entwickeln. Bereits nach wenigen Seiten hat mich das Buch – so wie bei den anderen zuvor auch – in seinen Bann geschlagen: Alles passiert gleichzeitig: ein Gefängnisinsasse hat Geiseln genommen und will nur mit dem beurlaubten van Leeuwen sprechen, ein Mädchen „fällt“ aus einem Fenster und Frau und Sohn eines Bankiers werden gemeinsam mit dem Liebhaber der Frau erschossen. Van Leeuwen findet den Zusammenhang zwischen diesen Gräueltaten. Sein Weg führt ihn zu einer Reederei, die zwielichtige Geschäfte betreibt. Spannung auf höchstem Niveau garantiert!

 

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Wir empfehlen im April:


 Jeanette Jung: Sandra Konrad „Das beherrschte Geschlecht“ - Warum sie will was er will
Piper Verlag, gebunden, 2018, 383 Seiten
ISBN 978-3-492-05832-2, 24,- €

 

Weibliche Sexualität wurde und wird schon seit Jahrhunderten kontrolliert, diktiert und organisiert. Von Männern, von Müttern und von den Frauen selbst. Dass sich diese Auswirkungen bis heute fortsetzen und massiven Einfluss auf das Leben von Frauen haben, zeigt Sandra Konrad in ihrem neuen Buch auf.
Im ersten Kapitel beschäftigt sie sich mit der Geschichte der Beherrschung von weiblicher Sexualität und all ihren abstrusen Entartungen im Laufe der Jahrhunderte. Aber die Autorin hinterfragt auch die vermeintliche Freiheit der jungen Frauen von heute, die immer noch in gesellschaftlichen – männerdominierten – Erwartungshaltungen gefangen sind, ohne dies zu merken.
Das zweite Kapitel ist der Prostitution gewidmet  und öffnet die Augen für Macht und Gewalt, die in diesem Bereich unserer Gesellschaft von Männern an Frauen ausgeübt wird. Folgerichtig schließt sich als nächstes ein Kapitel über sexualisierte Gewalt an Frauen von der Hexenverbrennung bis zum Cybermobbing an. Schließlich hinterfragt die Autorin warum sexy sein heute so wichtig ist und das Lustvolle so sehr in den Hintergrund getreten ist.
Das letzte Kapitel über die sexuelle Freiheit ist mit einem Zitat von Erich Fried überschrieben, der es treffender nicht ausdrücken könnte: „Zu sagen: „Hier herrscht Freiheit“ ist immer ein Irrtum oder auch eine Lüge: Freiheit herrscht nicht“. Dieses Buch ist ein eindrucksvolles Plädoyer für die lustvolle Sexualität von Frauen, gleichzeitig aber auch unglaublich bedrückend in allen Wahrheiten aus unserem Alltag und unserer Geschichte, die es enthält. Sandra Konrad gelingt dabei der Spagat, neben der Wissensvermittlung auch noch unterhaltsam zu schreiben. Ein tolles Buch und eine wichtige Lektüre, nicht nur für Frauen.

 

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 Frank Schwarz:  Jens van Rooij „Hiergeblieben!“ 40 fantastische Reiseziele in Deutschland
Gräfe und Unzer Verlag, Taschenbuch, 2018, 176 Seiten
ISBN 978-3-8342-2848-2, 19,99 €

 

Reisetipps für die heimischen Regionen gibt es einige, aber dieser Bildband schießt den Vogel ab: zu jeder einheimischen Destination wird ein exotischer Doppelgänger geboten, mit Entfernungsangabe und kleinen Vergleichsfotos.Und plötzlich kann man sich die Island-Reise sparen, wenn es um einen Geysir geht: der in Andernach ist auch spektakulär. Auch in Bamberg kann man Gondel fahren, in Goslar steht eine hölzerne Stabkirche (siehe Norwegen) und das Jagdhaus Ludwigs II. auf dem Schachen erinnert an eine Palastausstattung in Istanbul. Im oberpfälzischen Wiesent gibt es einen Nepal-Himalaya-Park mit buddhistischer Tempelanlage, sehr exotisch. Eine schöne Idee, denn warum in die Ferne schweifen…? Ein ideales Geschenk für Reiselustige, die den Geldbeutel schonen möchten, aber trotzdem Anregungen für besondere Fahrten suchen. Dass man sich die Mandelblüte auf Mallorca sparen kann, wenn man Gimmeldingen besucht, wissen die Pfälzer schließlich schon lange!
Dem Buch ist ein kleines Heft mit typisch deutschen Rezepten beigegeben, auch die haben schließlich internationale Doppelgänger. Selbst die Maultaschen!


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 Mirjam Alberti: Paolo Cognetti „Acht Berge“
DVA, gebunden, 2018, 256 Seiten
ISBN 978-3-421-04778-6, 20,- €

 

Pietro lebt in Mailand und macht jeden Sommer mit seinen Eltern in den Alpen Urlaub. Dort lernt er Bruno kennen. Eine lebenslange Freundschaft entsteht, auch wenn die Männer nicht unterschiedlicher sein könnten.  Pietro entflieht immer wieder der Stadt und sucht sein Glück in der Welt als Dokumentarfilmer. Bruno möchte die Berge niemals verlassen und sucht sein Auskommen in dieser menschenleeren Region. Paolo Cognetti erzählt gekonnt Episoden und Begegnungen dieser beiden vielschichtigen Menschen. Dabei schildert er die Alpen mit so viel Liebe, ohne im Geringsten kitschig zu sein, dass auch der Leser Sehnsucht nach den Bergen bekommt.

 

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Wir empfehlen im März:


 Frank Schwarz:  Martin Calsow „Quercher und die Thomasnacht“ Kriminalroman
Grafit Verlag, Taschenbuch, 2013, 320 Seiten
ISBN 978-3-89425-423-0, 10,99 €

 

Nach den beiden „Atlas“- Romanen von Martin Calsow, die ich immer wieder Liebhabern des gepflegten deutschen Kriminalromans ans Herz lege, beginne ich jetzt die Krimibuchreihe um Max Quercher mit dem ersten Band.
 Oberbayern ist  schön und Gier und Niedertracht gibt es halt überall. Der Polizist Max Quercher denkt nur an seinen Abflug in den sonnigen Süden in die Frühpensionierung. Da kommt ihm die zufällig gefundene konservierte Leiche eines deutschen Wehrmachtssoldaten in die Quere. Was muss auch der dumme Schreiner den Baum fällen, der die Leiche deckte. Quercher soll dafür sorgen, dass die eigens aus Amerika angereiste Enkelin des Toten denselben über den großen Teich mitnimmt und damit die Sache aus der Welt schafft. Als der Schreiner kurz darauf in seine Kreissäge stürtzt, glaubt Quercher nicht an einen Unfall. Als er massiv bedroht wird, noch viel weniger. Dass er in der längsten Nacht des Jahres, der Thomasnacht, um sein Leben kämpfen wird, hatte er sich aber so nicht vorgestellt.Das Tegernsee-Idyll als Schlangengrube: Calsow schildert eine ganz und gar nicht gemütliche bayerische Welt und hebt sich ab von den üblichen Heimatkrimis. Hier geht es realistisch zu. Die Gegner sind schlau und brutal, die Kollegen verhalten sich undurchsichtig und Max Quercher hat mehr als einige Ecken und Kanten. Schönes Buch, ich freuen mich auf die ganze Reihe.

 

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 Mirjam Alberti: Tim Marshall „Die Macht der Geographie“
dtv, Taschenbuch, 2017, 313 Seiten
ISBN 978-3-423-34917-8, 12,90€

 

So viele Krisenherde gibt es zurzeit auf der Welt und bei jedem Konflikt versucht man als kritischer Beobachter wirtschaftliche Interessen, Verbündete und Feinde herauszubekommen, um wenigstens ein bisschen besser zu verstehen. Da klingt schon der Untertitel   „Die Macht der Geographie - Wie sich Weltpolitik anhand von 10 Karten erklären lässt“ vielversprechend übersichtlich. Dieses Versprechen hält Tim Marshall.
Russland, China, USA … – in zehn Kapiteln entwirft der Autor ein Bild von dem jeweiligen Land, von seinen geographischen Gegebenheiten, von seinen wirtschaftlichen Schätzen und von seinen Handelswegen. Konsequent übernimmt er die Perspektive des jeweiligen Herrschers und seiner Geostrategen und schildert Schwachstellen und Stärken. Auch moderne wirtschaftliche und militärische Entwicklung und ihren Einfluss auf Geostrategische Entscheidungen finden ihren Platz in diesem Sachbuch. So entsteht ein globaler Zusammenhang und die tagesaktuellen Nachrichten stehen nicht mehr in einer endlosen Reihe nebeneinander.Mich bestärkt dieses Buch wieder in der Überzeugung, dass eine Internationale Friedensbewegung von unten die richtige Antwort auf die konkurrierenden Wirtschaftsinteressen ist. Doch dieses elfte Kapitel wollte Tim Marshall wohl nicht schreiben; doch seine zehn Kapitel sind trotzdem von unschätzbarem Wert.

 

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 Jeanette Jung: DVD nach dem Buch von Nicole Krauss „Eine Geschichte der Liebe“
DVD, 2017, EuroVideoMedien, 135 Min.
EAN 4009750233139, 13,99€

 

Eine wunderbare Literaturverfilmung! Schon das Buch von Nicole Krauss hatte mich so sehr beeindruckt und der Film setzt alles perfekt um. Die Handlung spielt in verschiedenen Zeiten. Beim Buch ist das zum Lesen etwas anspruchsvoll, den Film bereichert das natürlich. Der polnische Jude Léo lebt als alter Mann in New York. Rückblende: Vor vielen Jahren, kurz vor Ausbruch des zweiten Weltkrieges hatte Léo für und über seine große Liebe Alma ein ganzes Buch geschrieben. Alma und Léo war jedoch kein gemeinsames Glück gegönnt, denn Alma musste mit ihrer Familie nach Amerika fliehen. Das Manuskript der Liebesgeschichte hatte Léo in den Kriegswirren seinem besten Freund anvertraut auf dem Weg nach Südamerika. Dort wurde es durch einen Wasserschaden zerstört.
Jetzt sitzt der arme alte schrullige Mann in New York und denkt immer noch an seine verflossene Liebe. Gleichzeitig fällt der 15jährigen Alma ein Manuskript in die Hände, denn ihre etwas chaotische Mutter ist Übersetzerin aus dem Lateinamerikanischen und hat einen neuen Auftrag an Land gezogen. Seltsam nur, dass Alma genau nach diesem Roman, der offensichtlich in Südamerika erschienen ist, benannt wurde. Der Roman, der doch verschollen sein soll… So sind Almas und Léos Schicksale verbunden.Ein Film mit köstlich jüdischem Humor. Almas kleiner Bruder ist zum Beispiel überzeugt, dass er einer der auserwählten Juden ist, auf dessen Schultern die Zukunft der Welt ruht… Aber natürlich auch mit vielen tragischen Elementen, die zu Tränen rühren, allerdings ohne jeglichen Kitsch. Gönnen Sie sich einen Abend mit viel Gefühl, Sie werden es nicht bereuen! Und zum Weiterlesen und vertieft genießen: Das Taschenbuch „Die Geschichte der Liebe“ (ISBN  978-3-499-23960-1) ist zum Preis von 9,99 Euro erhältlich.

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Wir empfehlen im Februar:


 Mirjam Alberti: Grégoire Hervier „Vintage“
Diogenes Verlag, gebunden, 390 Seiten
ISBN 978-3-257-07002-6, 24,- €

 

Sie brauchen ein cooles Geschenk für einen Musiker, womöglich einen Gitarristen? Dann landen Sie hiermit den absoluten Treffer.
Auf der Suche nach der seltenen, antiken Gibson Moderne reist Thomas Dupré quer über den Globus. Schnell wird die Reise zu einer wahnwitzigen Tour, die sich überaus kurios und gefährlich entwickelt. Auch Leser, die nicht gerne dicke Bücher lesen, wird diese spannende Handlung fesseln.Doch das Besondere an diesem Buch ist die Liebe zur Musik. Im Vorbeigehen erfährt der Leser allerhand über die Technikgeschichte der elektrischen Gitarre - und welcher Musiker mit welchem Sound Musikgeschichte geschrieben hat. Die Begeisterung, die Thomas schildert, wenn er eine besondere Gitarre in Händen hält und welchen Sound sie hat, ist einfach mitreißend.

 

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 Frank Schwarz:  Hannah Rothschild „Die Launenhaftigkeit der Liebe“
Penguin Verlag, Taschenbuch, 2017, 509 Seiten
ISBN 978-3-328-10204-5, 12,- €

 

Junge unbedarfte Frau vom Land kauft im Trödelladen ein leicht kitschiges Gemälde, um es ihrer neuen Eroberung zu schenken. So beginnt ein rasanter und unterhaltsamer Roman über die Jagd nach einem verschwundenen Meisterwerk von Watteau. Das bunte Personal dieser Geschichte hat  das Meisterwerk immer wieder dicht vor der Nase und erkennt es nicht.
Annie wird Köchin im Kunsthandelshaus Winkleman und betritt die Welt der Londoner Superreichen, die sich als Sammelsurium verschrobener, durchgeknallter und durchaus auch eiskalter Egozentriker entpuppt. Sie weiss nicht, daß ausgerechnet ihr Fund aus dem Trödelladen eines, wenn  nicht sogar das wertvollste Bild der Welt sein kann. Und dann mischt sich das Bild auch noch ein und erzählt selbst von seiner Geschichte und seinen Gefühlen und ist nicht weniger arrogant und snobistisch als die Menschen, die es unbedingt besitzen wollen. Was die sympathische Annie auf dem Weg bis zur Authentifizierung und Versteigerung des Bildes erlebt, müssen Sie selbst lesen, es ist eine Achterbahn durch die Kunstszene. Die Autorin Hannah Rothschild ist eine intime Kennerin dieses Umfeldes und sie geht mit Hohn, Spott und Satire nicht gerade sparsam um. Umwerfend gut geschrieben und immer unterhaltsam, schöner Schmöker.

 

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 Jeanette Jung: Yuval Noah Harari „Eine kurze Geschichte der Menschheit“
Pantheon Verlag, kartoniert, 2016, 526 Seiten
ISBN 978-3-570-55269-8, 14,99 €

 

Bereits „Die Zeit“ hat festgestellt, dass dieses Buch klug, präzise und vor allem so geschrieben ist, dass man es gar nicht mehr aus der Hand legen möchte. Diesem Urteil kann ich mich nur voll und ganz anschließen.
Vom Anfang des Homo Sapiens vor 70.000 Jahren bis zum Cyborg und der künstlichen Intelligenz der Zukunft spannt der Autor den Bogen. 526 Seiten prall gefüllt mit Wissen, dabei unglaublich kurzweilig geschrieben. Das findet man nicht so oft. Ich habe viel gelernt und über vieles nachgedacht während der Tage in denen ich das Buch gelesen habe. Zum Beispiel über die Spur der Verwüstung und Vernichtung, die der Homo Sapiens auf seiner Reise durch die Jahrhunderte überall hinterlassen hat. Aber auch über den Preis, den wir für Wachstum und Fortschritt zu zahlen bereit sind.
Harari stellt die nackten Informationen, die über die Geschichte der Menschheit vorliegen immer in den Kontext ethischer Gedanken. Das macht das Buch so wertvoll. Hier wird nicht nur einfach die Abfolge der menschlichen Geschichte erzählt, hier werden auf jeder Seite viele Fragen aufgeworfen. Fragen, die sich der Leser selbst beantworten muss.
Man spürt natürlich die Intention des Autors, aber nie mit platten Anspielungen oder massiven Fingerzeigen. Er hinterfragt verschiedene Gedanken, die man zu den einzelnen Entwicklungsschritten der Menschheit haben kann und bietet Deutungswege an. Damit lässt er – wie schreibt wiederum „Die Zeit“ so schön: „Gehirn wachsen“. Ich bilde mir ein, dass es funktioniert – probieren Sie es doch auch einmal aus!
Wie ich von einer Kundin gehört habe, ist das neue Buch des gleichen Autors mit dem Titel „Homo Deus“ in dem es um die Zukunft der Menschheit mit künstlicher Intelligenz, Smartwatches und Computern, die wissen, was wir wollen, bevor wir es selbst wissen ebenso lesenswert.

 

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